Legende : Lass dich überraschen

Eine Doku über den Showmaster Rudi Carrell zum Auftakt einer weiteren "Legenden"-Staffel.

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Am laufenden Band. Rudi Carrell hat die deutsche Fernsehshow geprägt. Foto: ARD
Am laufenden Band. Rudi Carrell hat die deutsche Fernsehshow geprägt. Foto: ARDFoto: Radio Bremen

Arbeiten. Arbeiten. Arbeiten. Das scheint das Lebensmotto einer der größten Showlegenden Deutschlands gewesen zu sein, mit allen Opfern, die das so mit sich bringt. Rudi Carrell, am 19. Dezember 1934 im holländischen Alkmaar geboren, wächst in einem armen Umfeld auf, und früh schon kommt er damit in Verbindung, was ihn zeit seines Lebens ausmachen wird: die Show. Leben und Arbeiten des bekennenden Kettenrauchers Carrell zeichnet Autorin Heide Nullmeyer, die den Showmaster 2002 selbst noch in seinem Haus besuchen konnte, nun in ihrer soliden Dokumentation der neuen ARD-„Legenden“-Staffel nach.

Es ist ein Leben für die Show. Und für das Publikum. Sonst ist da eher wenig. Vater André Carrell ist holländischer Entertainer. Bei ihm geht Rudi denn auch in die Schule, lernt sein Metier von der Pieke auf. Im Jahr 1964, Carrell ist 30 Jahre alt, beginnt seine Karriere in Deutschland. Es folgen Shows wie „Die Rudi Carrell Show“, „Am laufenden Band“ – von Kollege Alfred Biolek produziert –, „Die verflixte 7“, „Rudis Tagesshow“, „Herzblatt“, „Rudis Tiershow“ und „Lass dich überraschen“. Carrell arbeitet unermüdlich, ist nonstop kreativ. 1992 schließlich erfolgt der Wechsel von der ARD respektive seinem Haussender Radio Bremen zum Privatfernsehen, zu RTL, die Comedy-Show „Sieben Tage – sieben Köpfe“ startet.

Carrell arbeitet stets wie ein Besessener. Er ist einer, der neben seinen drei Ehen und einer langjährigen Beziehung nahezu keinerlei Privatleben hat und schon gar keine Freunde, was er selbst freimütig einräumt: „Ich bin nie enttäuscht worden von Freunden, weil ich keine hatte, das ist auch ein Vorteil.“ Mehrfach ist hier vom „gnadenlosen Perfektionismus“ des Showmasters die Rede. „Rudi hat die größten Anforderungen an sich selbst gestellt. Für Rudi gab es keinen Tag und keine Nacht. Es gab nur dieses eine Ziel – eine möglichst optimale Sendung.“

Das sind die eher ernüchternden Worte von einem, der es wissen muss, Worte von Fernsehproduzent Ulrich Brock, der 20 Jahre lang mit Workaholic Carrell zusammengearbeitet hat. Und selbst seine eigenen drei Kinder, davon erzählen vor allem die beiden Töchter in Heide Nullmeyers Dokumentation, hat Rudi Carrell ab dem Moment, in dem sich der Erfolg einstellte, so gut wie gar nicht mehr gesehen.

„Jeden Urlaub kam da mal der Mann aus Deutschland, ich weiß nicht, inwiefern ich kapiert habe, dass das mein Vater ist, der in Deutschland wohnt“, sagt Tochter Caroline Engel Kesselaar einmal. Und vielleicht noch aufschlussreicher und deutlicher äußert sich Tochter Annemieke Kesselaar Klar: „Er hat sich eine Welt für sich geschaffen, weil er nicht in der normalen Welt existieren konnte.“

Rudi Carrell ist am 7. Juli 2006 gestorben, in einer Bremer Klinik, an Lungenkrebs. Im Februar desselben Jahres nahm er öffentlich Abschied, als er, schwer gezeichnet von seiner Krankheit, völlig abgemagert die „Goldene Kamera für sein Lebenswerk“ persönlich entgegennahm. Ein aufrüttelnder Fernsehmoment. Rudi Carrell hat eine Lücke hinterlassen, ähnlich wie Hans-Joachim Kulenkampff – und Erinnerungen bei seinem ihm so wichtigen Publikum. Thilo Wydra

„Legenden – Rudi Carrell“,

ARD, 21 Uhr

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