Medien : Lehmann, lass das Jo-Jo los!

Ein

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von Joachim Huber für ein besseres BörsenFernsehen

Vorsicht, wenn Frank Lehmann kommt. Dann wird die ARD zum Zirkus. Lehmann schafft es, hintereinander drei Bälle in die Luft zu werfen und sicher wieder aufzufangen. Das Komische ist das Tragische an Frank Lehmann: Er gibt den Zuschauern den hyperaktiven Börsenclown. Dass er in der ARD nicht allein ist und im ZDF würdige Konkurrenz hat, lindert das Missvergnügen keineswegs.

Vor der „Tagesschau“, in den „Tagesthemen“ und im „heute-journal“ gibt es die Rubrik „Börse“. Kreiert in der Phase, als sich die Deutschen per Volksaktie zum Börsenvolk entwickeln sollten und wollten. Es regierten Hype und Habgier, und es genügte das, was Lehmann & Co. verkündeten: Rein in die Kurse und reich werden. Eine simple Operation, wie fürs elektronische Medium ausgeklügelt, weil angeblich perfektes Fernsehen möglich wurde – die Reduktion von Wirklichkeit auf ein Schaubild mit Sprechblase. Dieses Fernsehen ist geblieben, die Begründung ist weggebrochen. Die Zahl der Aktienbesitzer sinkt, noch 7,1 Prozent der Deutschen sind im Besitz von Einzelwerten. Das spricht nicht gegen die Börse, das spricht für eine andere Börsenberichterstattung im Fernsehen.

Weg mit dem Grafik-Hokuspokus, Schluss mit den Stars auf den Börsenbalkonen, die vorgaukeln, die tägliche Börse sei nichts anderes als die tägliche Ziehung der Lottozahlen. Wie immer ohne Gewähr. Börse ist Wirtschaft, und Wirtschaft ist ein schwieriges Geschäft. Die seriösen Zeitungen widmen diesem Geschäft ganze Bündel des täglichen Blatts; die TV–Nachrichten dagegen reduzieren für ihr Millionenpublikum die komplexen Triebkräfte, die in den Börsenkursen nur ihren vordergründigen Ausdruck finden, auf das Jo-Jo von Einzelwerten.

Die Minuten, die ARD und ZDF für das Vorführen der offenbar vom Himmel gefallenen Kurse verwenden, verlangen nach klügerer Nutzung. Noch nie, heißt es, waren Wirtschaft und Finanzen so bestimmend für die Agenda eines Landes, für die Lebensläufe der meisten Deutschen. Da muss von Hartz IV bis zur globalisierten Weltwirtschaft viel erklärt und begriffen werden. Wo, wenn nicht bei „Tagesthemen“ und „heute-journal“ besteht die Chance, dass sich die Teilnehmer am Wirtschaftskreislauf begegnen? Frank Lehmann muss dazulernen.

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