Leichtathletik-WM : Paris, Osaka

Die ARD schickt ihre Doping-Redaktion nach der Tour zur Leichtathletik-WM nach Japan - obwohl die Sportarten laut ZDF-Chefredakteur Brender nicht vergleichbar sind.

Pablo Silalahi

Die Tour de France 2007 ist unrühmliche Geschichte – schon steht das nächste sportliche TV-Großereignis an: die Leichtathletik-WM im japanischen Osaka ab dem 25. August. Dabei wird es in erster Linie um Sport gehen. Doch im Zusammenhang mit einer solchen Veranstaltung kommt man derzeit um die Doping-Diskussion nicht herum. Für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender stellt sich nach den Tour-Skandalen um gedopte Fahrer mit anschließendem TV-Boykott die grundsätzliche Frage, wie man in Zukunft mit der Berichterstattung in ähnlichen Fällen umgehen soll. Nicht nur im Radsport. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte dem Tagesspiegel, dass die Leichtathletik nicht mit dem Radsport vergleichbar sei, da es dort keine "systematischen Fälle von Doping" gebe. Für Brender gilt der Satz: "Einzelfälle führen nicht zum Ausstieg."

Der ZDF-Chef betont, dass man nicht alle Sportarten über einen Kamm scheren könne. Dennoch werde das ZDF, so Brender, im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking in den aktuellen Sportsendungen kritisch über Doping berichten. Auch die ARD will das Thema sensibel angehen und die bewährte Doping-Redaktion unter Leitung von Hajo Seppelt zur Leichtathletik-WM nach Japan schicken, so ARD-Sprecher Burchard Röver. In den nächsten Tagen ziehen die Verantwortlichen der ARD unter der Führung ihres Vorsitzenden Fritz Raff eine Bilanz zur Tour-Berichterstattung. In den Gesprächen solle auch über das weitere Vorgehen bei Live-Übertragungen von dopinggefährdeten Sportarten beraten werden.

Ein besonderer Augenmerk liegt dabei auf der Deutschland-Tour. Das Radsport-Event startet bereits am 10. August. Ob die ARD live berichtet, ist noch nicht geklärt, auch nicht die Frage, was für ein Kurs bei späteren Großveranstaltungen gehalten wird. Der Präsident des europäischen Rundfunkverbands EBU, der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, hatte in einem Interview zum Thema Doping und Leichtathletik-WM gesagt: "Wenn Sinkewitz der Maßstab wäre, müsste konsequenterweise abgeschaltet werden, auch da gibt es eine Doping-Vorgeschichte." Pleitgen drängte auf eine schnelle Klärung dieser Kriterien noch vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking.

Ungeklärt ist, was mit den Übertragungsrechten der Tour de France 2008 geschieht. Derzeit liegen diese bei ARD und ZDF. Der Privatsender Sat 1 hatte aufgrund der schlechten Quoten und erheblichen Werbe-Einbußen bei der abgelaufenen Tour das Experiment mit Live-Übertragung für beendet erklärt. ZDF-Chefredakteur Brender will erst einmal abwarten, was die von Tour-Direktor Christian Prudhomme angekündigte "Revolution" bewirken wird. "Wir werden erst sehen und dann entscheiden", so Brender. 

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