Medien : Leichter Abschied

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Im Kreuzfeuer. RTL. Das ist, äh, also, nach ein paar Sendungen hat sich, äh, verstehen wir, wie der Kandidat funktioniert. Entweder ist die Frage an ihn so gestellt, dass er gleich die vorbereitete Stellungnahme abfahren kann. Dann kommen die Argumente glatt, ohne Zögern, Stoiber lächelt und wirkt nicht unsympathisch. Lockt man ihn auf unsicheren Boden, dann muss er Warteschleifen formulieren, muss Sätze anfangen, deren Ende er nur vage vorausahnt, Sätze, die oft in der Mitte zerbrechen: „…dass wir vielleicht zu wenig Wert und vielleicht auch Druck ausüben…“ Dann kommen die Ähs im Dutzend, bevor er mit einem Ruck wieder ins Gelernte einschwenkt – und befreit lächelt. Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, das sitzt alles. Flut ist schwieriger, und Gentechnik, äh, oh je. Das wissen wir jetzt also, und gezeigt hat es uns die langwierige Verhörstunde bei RTL am Donnerstagabend. Sieben Viertelstunden brutto, abzüglich einiger winziger Einspielfilmchen; man wird wohl sagen dürfen, dass jene Zuschauer, die das bis zum Ende verfolgt haben, genügend motiviert sind, um auch zur Wahl zu gehen. Immerhin.

Doch sonst? Der Abschied von den Kanzlerkandidaten und ihren Duellen ist uns leicht gemacht worden mit dieser letzten Sendung. Nur Peter Kloeppel und Sandra Maischberger allein mit Stoiber, das hätte was werden können. Doch das unglücklich populistische Konzept des „Kreuzfeuers“ sah vor, dass viele Mühselige und Beladene aus dem Publikum ihre meist umständlichen Fragen vorzubringen hatten; weil der nächste schon wartete, fiel auch der Maischberger- Touch, das freche Nachhaken vorn am Mann weitgehend flach. Kloeppel zog durch die Reihen und war wohl manchmal selbst verblüfft, wie lammfromm Stoiber sich das Wort geben und nehmen ließ. Wo sind die harten Brocken geblieben, die Kohls, Schmidts, Genschers? In vier Jahren beginnen die Kandidatenverhöre von vorn, kein Zweifel. Diese RTL-Form aber muss wohl nicht mehr dabei sein. Bernd Matthies

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