Medien : Leipzig im Spielefieber

Nicht olympisch, dafür laut: Games Convention erwartet 100 000 Besucher

Kurt Sagatz

Ein Raumtransporter landet auf dem Mars – in Videospielen eine Routine-Angelegenheit. Bevor der athletisch gebaute Besucher die Anlage betreten darf, wird er von einem Laser abgetastet, denn Sicherheit wird in der Zukunft genauso geschrieben wie derzeit in Athen bei den Olympischen Spielen. Doch die Gefahr heißt nicht Al Qaida, Angst verbreiten hier Monster, die den schlimmsten Albträumen entspringen. Und die gilt es zu jagen in „Doom 3“, der seit wenigen Tagen auch in Deutschland erhältlichen neuen Version des von den Computerspielern am sehnlichsten erwarteten Ego Shooters der Saison. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum gerade dieses Ballerspiel der heimliche Star der dritten Games Convention ist, jener größten europäischen Messe für Computer- und Konsolenspiele, die vom kommenden Donnerstag bis Sonntag 100 000 Besucher nach Leipzig ziehen soll.

Zuerst einmal: Von den 2003 verkauften Computerspielen waren – gemessen am Umsatz – nicht einmal fünf Prozent mit der Altersfreigabe 18plus versehen. 70 Prozent der Spiele durften nach den Vorgaben des neuen, ab April 2003 geltenden Jugendschutzes ganz offiziell an Spieler verkauft werden, die erst zwölf Jahre alt sind. Und obwohl gerade Ego Shooter und andere Ballerspiele in den Medien den größten Platz einnehmen, so liegt deren tatsächlicher Anteil in Deutschland nur bei acht Prozent, sagt Klaus-Peter Gerstenberger von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). „Viel beliebter in Deutschland sind Spiele wie ,Die Sims‘ oder die so genannten Strategie- und Aufbauspiele. Die gezielte Nutzung vorhandener Ressourcen kommt den Deutschen offenbar sehr entgegen“, so Gerstenberger, dessen Institut für die Einstufung der neuen Computer- und Konsolenspiele in die verschiedenen Altersklassen zuständig ist.

Der geänderte Jugendschutz hat sich für alle Seiten als vorteilhaft erwiesen, meint auch Hermann Achilles vom Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD). „Seitdem Spiele so eingestuft werden wie Filme, sind wir endlich raus aus der Dauerdiskussion um Gewalt“, sagt der VUD-Mann. Durch die Diskussion nach Erfurt und die neuen Jugendschutz-Reglungen habe die gesellschaftliche Akzeptanz erheblich zugenommen. Das zeige sich auch darin, dass nun Politiker aus der ersten Reihe wie Georg Milbradt und Wolfgang Tiefensee an der Eröffnung der Games Convention im Leipziger Gewandhaus teilnehmen. Die Messe, die in diesem Jahr zum dritten Mal in Leipzig stattfindet und nach dem Willen des Branchenverbandes auch dort bleiben soll, spiegelt die wieder erstarkte Zuversicht der Branche wider: Die Zahl der Aussteller stieg nochmal um fast 30 auf nun 230 Firmen, erstmals findet die Games Convention in vier Messehallen statt. Sämtliche Marktführer wie Buena Vista Games, Eidos, Electronic Arts, Microsoft, Nintendo, Konami, Sony und Ubi Soft sind in Leipzig vertreten. Anders als der Publikumsteil ist das Business-Center den Gesprächen mit dem Fachhandel vorbehalten. Bereits am Dienstag und Mittwoch findet in Leipzig zudem eine Enwicklerkonferenz statt.

Aus der Welt ist die Gewaltdiskussion dennoch nicht: Auch wenn „Doom 3“ so gestaltet wurde, dass es nicht auf dem Index landete und trotzdem einer ganzen Industrie Impulse verleihen soll, so gilt die neue Zurückhaltung längst nicht für alle US-Spiele, so USK-Leiter Klaus-Peter Gerstenberger. Und von dort kommen nach wie vor die meisten Actionspiele, in denen auch von Waffen Gebrauch gemacht wird. Immerhin: In Deutschland hat der Publisher Take 2 gar nicht erst versucht, das äußerst brutale Spiel „Manhunt“ (Menschenjagd) auf den Markt zu bringen. In Großbritannien wurde das Spiel nicht nur indiziert, bereits im Handel befindliche Kopien wurden sogar beschlagnahmt.

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