Medien : Leo Trotzki – Arte auf der Suche nach dem Revolutionär

Eckart Lottmann

Er war, hinter Lenin, der zweite Mann im jungen Sowjet-Staat. Leo Trotzki galt als „Held der Oktoberrevolution“. Trotzki trieb die Rote Armee zum Sieg, schreckte aber auch nicht davor zurück, Gefangene zu foltern und zu erschießen. Jahre später verlor Trotzki den Machtkampf gegen Stalin, der zwang ihn ins Exil, ließ ihn schließlich erschlagen, mit einem Eispickel. Einer, den Stalin ermorden ließ, kann so schlecht nicht sein, denken wir. Wissen tun wir es nicht. Der neue Film von Jürgen und Daniel Ast verspricht, ein genaueres Bild von Leo Trotzki zu zeichnen.

1917 schlägt Trotzkis große Stunde: Er organisiert zusammen mit Lenin die Oktoberrevolution. Die Jahre bis zu Lenins Tod 1924 sind die erfolgreichen Jahre Trotzkis, die von ihm geführte Rote Armee gewinnt den Bürgerkrieg in Russland (neun Millionen Tote). Dann stirbt Lenin, und Stalin gelingt es innerhalb dreier Jahre, Trotzki zu entmachten und aus dem Land zu jagen. Das erzählen die Gebrüder Ast mit Tempo, dramatisch jagenden Wolken, schaurig wummernder Musik. Eine Fleißarbeit ist dieser Film, gewiss. Und doch fehlt etwas: Der intensive Blick auf Trotzki, der ja nicht nur Funktionär, sondern auch Mensch war. „Wenn ich von vorn beginnen könnte“, hört der Zuschauer aus dem Off, ohne eindeutig zu wissen, ob das Trotzkis Worte sind, „würde ich natürlich versuchen, einige Fehler zu vermeiden. Aber die große Linie niemals ändern.“

So uneinsichtig war der Revolutionär? Es kann so sein, trotz aller Intelligenz. Wir wissen mehr über Leo Trotzki nach diesem Film. Aber ob wir ihn besser verstehen? Eckart Lottmann

„Trotzki“; Arte, 20 Uhr 40, sowie ARD, 14. November um 23 Uhr 30

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