Medien : Lernen für die Katz’

Reinhard Siemes

Bestimmt haben Sie schon einmal die bunten Anzeigen der Fernlehrinstitute gesehen, die Ihnen zu Sprachen und Wissensgebieten aller Art kleine Marken zum Aufkleben servieren. Vornehmlich in Zeitschriften, die von Menschen mit einfacher Bildung, aber vielfachem Glauben an das Gute gelesen werden. Die Marken sollen Sie bitte auf eine Postkarte kleben – inzwischen geht auch Internet – und dann bekommen Sie eine große Tüte mit ganz vielen Informationen von ganz vielen klugen Leuten. Auf diese Art können Sie Betriebswirtschaft lernen, Buchführung, Medienberatung, Zeichnen und sogar Werbetexten.

Kostet auch nicht viel. Die Institute verteilen die so genannten Lehrbriefe auf 24 Monate, so dass die 1000 bis 1500 Euro kaum ins Gewicht fallen. Ich spreche jetzt nur für die Werbung, die ja angeblich so schick ist und in der Sie locker und leicht die großen Euros machen können.

Ein Abschluss als Grafiker oder Werbe- Texter in den Instituten mit den klingenden Namen ist genauso wenig wert wie das schöne Zertifikat der Texterschule, die ich mit den „Argonauten“ und der Firma MCO im Internet betreibe. Nur zieht MCO den Teil- nehmern nicht 1000 Euro und mehr aus der Tasche. Sondern sie begnügt sich mit 500 Euro. Auch versprechen wir nicht eine unaufhaltsame Karriere, sondern lange Wochenenden und keinen Job. Immerhin, am Ende wissen Sie ziemlich genau, ob es vielleicht nicht doch besser für Sie ist, am Bahnhof Zoo Würstchen zu verkaufen, statt darauf zu hoffen, in Los Angelos teure Werbefilme zu drehen. Dieser Hoffnung hängen zurzeit sogar die großen Kreativen der Branche nach, weil kein Geld für so etwas da ist.

Schauen Sie sich also die Fernlernkurse in Sachen Werbung bitte sehr, sehr genau an. Auch auf die Gefahr hin, dass ich dadurch einen Texterschüler weniger haben sollte.

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