Leserdebatte : Papa, darf ich ins Internet?

Sie können kaum lesen und schreiben, aber sie surfen schon. Kinder gehen ins Netz. Ab welchem Alter ist das sinnvoll? Sollte immer ein Erwachsener dabei sein? Sollte man Grundschülern das Netz ganz verbieten? Diskutieren Sie mit!

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Kaum in der Schule, schon vor dem Computer. Kids im Netz.
Kaum in der Schule, schon vor dem Computer. Kids im Netz.Foto: dpa

Lionel ist 10. Wenn er im Internet surft, schaut er Videos über den FC Barcelona oder Musik-Clips. Im Internet hat er zusammen mit dem Vater Schachspielen gelernt, und seine Lehrerin aus der fünften Klasse sagt manchmal, sie sollen mithilfe des Internets nachschauen, wie ein Körperskelett aussieht oder wo Melbourne liegt. Hausarbeiten online, das macht ihm Spaß. Wenn er beim Vater ist, sprechen sie häufiger über Aspekte der Sicherheit. Gefährliche Seiten, Porno-Seiten etwa, hat der Vater mit einer Software gesperrt. Bei der Mutter, die Eltern leben getrennt, surft Lionel ungehinderter. Er sagt, sie könne ihm vertrauen.

Jan, 12, skypt mit seinen Freunden so lange, bis es langweilig wird, das dauert maximal 30 Minuten. Er hat einen eigenen E-Mail-Account, er schaut Sportvideos oder verfolgt den Live-Ticker bei Fußball-Spielen. Er sei schon mal auf „so komischen schwarzen Seiten gewesen“, sagt er, und manchmal hat er Sorge, dass er „sich Viren runtergeladen hat“. Jetzt will er ein Profil auf Facebook. Seine Klasse, die 7a, hat dort eine Seite, die haben diejenigen gemacht, die schon bei dem sozialen Netzwerk angemeldet sind: 50 Prozent der Klasse. Der Vater sträubt sich noch.

93 Prozent der neun- bis 16-jährigen Kinder und Jugendlichen sind mindestens einmal die Woche online
Lionel und Jan sind typische Vertreter ihrer Altersgruppen, sie wollen, laut Studien, Spaß im Netz, mit Freunden kommunizieren oder sich informieren. 93 Prozent der neun- bis 16-jährigen Kinder und Jugendlichen in Europa sind wöchentlich mindestens einmal online, 60 Prozent von ihnen jeden Tag. Laut der europaweiten Untersuchung „EU-Kids-online“ vom Januar 2011 werden die Netzbesucher immer jünger. In Schweden und Dänemark liegt das durchschnittliche Einstiegsalter bei sieben Jahren. Zwei Drittel der über 25 000 befragten Kinder sagten über ihre Medienkompetenz: „Ich weiß mehr als meine Eltern.“

Zurzeit wächst die Anzahl von Studien zum Thema Medienerziehung/Internetnutzung rasant an. Fast alle diese Untersuchungen sind aber noch nicht beendet. Bisher konzentrieren sich größere wissenschaftliche Arbeiten meist auf die Datenerhebung zu Umgangsformen von Heranwachsenden mit dem Internet oder auf mögliche Gefahren für die Jugendlichen. Die Frage, wie die Eltern an der Netzaktivität ihrer Kinder teilhaben, wurde weniger beachtet.

Viele Studien unterstellen, die Eltern würden sich nicht genug kümmern. Weiter auf Seite zwei.

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