Medien : Letzte Dinge

Hape Kerkeling zündet im Porträt eine Kerze an

THILO WYDRA

„Ich will verstehen, wie die Dinge funktionieren – die zwischenmenschlichen Dinge.“ Als er das sagt, da sitzen sie schon länger im Klosterinneren, der Interviewer und der Befragte. Vorher, da läuteten mitten im Gespräch mehrmals die Glocken. Das bringt Gero von Boehm und seinen Gast Hape Kerkeling nicht wirklich aus der Fassung. Kerkeling fragt kurz, ob es noch weiter läuten werde. Irgendwie passt das Glockengeläut zu dieser Ausgabe von Boehms Porträtreihe, für die dieser das Studio verlassen hat und seine Gäste dort besucht, wo sie leben, wo sie aufwuchsen.

Von Boehm geht mit Kerkeling durch Recklinghausen, wo der 41-jährige Entertainer die ersten 20 Lebensjahre verbracht hat. Hauptsächlich aber sitzen sie im Kloster Saarn in Mühlheim an der Ruhr. Das Ganze hat sakralen Charakter. Eigentlich ist es zu dick aufgetragen. Doch verblüffenderweise passt es im Porträt des Komikers, Imitators, Autors Kerkeling. Der Königin Beatrix imitierte und Günter Jauch verkleidet in „Wer wird Millionär“ foppte. Oder mit Heinz Schenk in den 90ern den Kinofilm „Kein Pardon“ drehte, wo der Showmaster zigmal die Showtreppe hoch und runter stieg, um den Song „Witzischkeit kennt keine Grenzen“ anzustimmen. Und Kerkeling rannte als Spaßhase durchs Bild. Er passe gar nicht in die Branche, es gehe vielen nur darum, sich darzustellen. Er brauche Auszeiten. Wie 2001, als er sich auf einer 800 Kilometer langen Pilgerreise nach Santiago de Compostela Notizen machte, ohne den Gedanken, diese zu publizieren. Nun liegt Kerkeling mit seinem Reisetagebuch „Ich bin dann mal weg“ auf Rang eins der Sachbuch-Bestsellerliste. Zufall, Schicksal, Sterben, Tod. Große Lebensthemen, über die Kerkeling Auskunft gibt: seinen Glauben an Gott, seine Homosexualität, den Tod seiner Mutter als Achtjähriger oder die „geistige Umnachtung“ der Großmutter, die ihn großzog. Dieser Hape Kerkeling, er lächelt mal, aber er ist ernst, nachdenklich, dabei aber nie pessimistisch. Man glaubt ihm, wie er die Frage, ob er an Gott glaube, mit überzeugtem Ja beantwortet, dann eine Kerze anzündet. Von Boehm fragt, man dürfe wohl nie sagen, für wen die sei. Kerkeling sagt, das dürfe man nicht.

„Gero von Boehm begegnet: Hape Kerkeling“, 3sat, 22 Uhr 25

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