Medien : Letzte Hüllen

Woody Allens grandioser Film „Match Point“ zum Auftakt der 16. „Sommernachtsphantasien“

Markus Ehrenberg

In der Werbeforschung werden Testpersonen in eine Röhre, den Computertomografen gesteckt, um zu sehen, was passiert, wenn ihnen bestimmte Anzeigen und Filme gezeigt werden. Männer und Frauen sollen Filme dabei komplett anders wahrnehmen. Es wäre für Hirnforscher mal interessant, wie das in deutschen Fernsehhaushalten heute Abend und in den kommenden sechs Wochen aussieht: immer montags, bei der Ansicht der „erotischen Leckerbissen“ der „Sommernachtsphantasien“, mit denen das ZDF sein dürres Fiction-Programm im Juli und August kräftig aufpeppt.

Wobei unter Erotik ja so allerhand verstanden werden kann, nicht nur geschlechterspezifisch. Woody Allens „Match Point“, mit dem die Reihe als Free-TV-Premiere eröffnet wird, ist Filmkritikern weniger als überaus erotischer Film in Erinnerung, sondern als eine der besten dramatischen Arbeiten des Regisseurs aus der jüngeren Vergangenheit, die mühelos durch drei Genres wandert. Mal abgesehen vielleicht von Allens neuer Muse Scarlett Johansson, die nach einer aktuellen Umfrage der US-Zeitschrift „In Touch“ die drittschönsten Brüste Hollywoods haben soll und selten so sexy war wie hier. In Woody Allens erstem in London gedrehten Film betört Johansson den jungen Chris, einen Tennislehrer aus kleinen Verhältnissen, der in einem Club die Chance seines Lebens erhält. Ein reicher Sohn bietet ihm seine Freundschaft an, dessen Freundin Nola (Johansson) ihre Liebe. Als Nola von Chris schwanger wird, scheint alles gefährdet. Chris muss handeln. Die grandiose Auflösung von Gesellschaftsroman, Kammerspiel und Polizeifilm in einer Szene sollte man nicht verpassen.

Gehirnhälften hin, ZDF-Slogans her – „Match Point“ ist eher ein Film für Männer. Ansonsten sollen die „Sommernachtsphantasien“ laut Ankündigung diesmal nämlich „ganz im Zeichen der Frauen“ stehen. Gefühlt war das auch schon in den vergangenen 16 Jahren so. Vielleicht hat sich das Zweite da allzusehr von Medienhypes wie Rapperin Lady „Bitch“ Ray oder Charlotte Roches Bestseller „Feuchtgebiete“ anregen lassen. Sei’s drum. Die preisgekrönte Neuverfilmung von „Lady Chatterley“, Angelina Jolie in „Original Sin“, das finnische Gesellschaftsdrama „Lust auf Sex“ , der Thriller „Mein erster Mord“ und zu guter Letzt der kanadische Streifen „Liebe mich!“, der Skandalfilm der Berlinale 2006, bei dem laut Filmkritik „nahezu alles“ zu sehen sein soll – am Ende möchte man vermutlich gar nicht mehr raus aus der Röhre. Markus Ehrenberg

„Match Point“, ZDF, 22 Uhr 15

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