"Letzte Spur Berlin" : Bitte melden!

Das ZDF setzt seine Reihe "Letzte Spur Berlin" mit einem verstörenden Fall fort. Die Serie hat einen realen Hintergrund. Jährlich gelten in Deutschland um die 5000 Personen offiziell als vermisst.

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An die Substanz. Radek (Hans-W. Meyer, li.) will von Lehmann (Peter Schneider) wissen, wo er die Opfer begraben hat.
An die Substanz. Radek (Hans-W. Meyer, li.) will von Lehmann (Peter Schneider) wissen, wo er die Opfer begraben hat.Foto: ZDF

Im Dämmerlicht, umgeben von Sträußen weißer Lilien, sitzt Uwe Lehmann in seiner Gefängniszelle. Mit dem Zeigefinger tippt er sich an den Kopf: „Tick tack, tick tack“, sagt er leise. Die Zeit läuft für die Ermittler der Vermisstenstelle des LKA Berlin – der Serienmörder hat nicht mehr lang zu leben. Nur er weiß, wo die Leichen von sieben vermissten Mädchen zu finden sind.

Zum Auftakt der vierten Staffel der Krimiserie „Letzte Spur Berlin“, “, die ab 7. April auf ZDFneo läuft, muss das vierköpfige Team um Kommissar Oliver Radek (Hans-Werner Meyer) einen verstörenden Fall lösen. „Monster“ ist eine Doppelfolge, die langsam an Fahrt gewinnt: Serienmörder Lehmann - brillant verkörpert von Peter Schneider - hat vor mehr als einem Jahrzehnt 15 junge Frauen entführt, im Wald versteckt, missbraucht und mit einer Plastiktüte erstickt. Nur acht wurden damals gefunden. Weil er im Sterben liegt, will Lehmann mit Radek einen Deal aushandeln. Sein Angebot: „Finden Sie meinen Sohn. Dafür kriegen Sie die toten Mädchen.“

Nach dem erfolgreichen Start des neuen Berliner „Tatorts“ ist auch die „Letzte Spur“ zurück. Zu ihrem Auftakt 2012 erhielt die Serie außergewöhnlich gute Kritiken – von einem „Fernseh-Glücksfall“ war die Rede. Mit den Zuschauerzahlen kann der Sender ebenfalls zufrieden sein: Diese lagen in der vergangenen Staffel, ausgestrahlt zur besten ZDF-Primtime um 21 Uhr 15 , bei bis zu vier Millionen. Krimis mit Stadtansichten zwischen Fernsehturm und Kanzleramt, das scheint beim Zuschauer derzeit gut anzukommen.

In der neuen Staffel decken die Fälle erneut das ganze Spektrum ab: Ein Fußballprofi scheint wie vom Erdboden verschluckt, ebenso wie die Teilnehmerin einer Casting-Show und ein Molekularbiologe. Die Serie hat einen realen Hintergrund: Jährlich gelten in Deutschland um die 5000 Personen offiziell als vermisst. Das beschäftigt auch das Reality-Fernsehen. Sat1 zeigt seit 2012 „Julia Leischik sucht: Bitte melde dich“ – derzeit immer im sonntäglichen Vorabendprogramm.

Im Krimi „Monster“ gehen Kriminalhauptkommissar Radek die Ermittlungen diesmal besonders an die Substanz. Radek hat einst gegen Serienmörder Lehmann ermittelt und ihn hinter Gitter gebracht. Seine Kollegin Mina Amiri (Jasmin Tabatabai), die es beim Anblick der alten Tatort-Aufnahmen fröstelt, warnt: „Das ist viel zu persönlich.“ Auch Radeks Frau ist alles andere als begeistert, als ihr Mann beginnt, die Ermittlungsakten am heimischen Schreibtisch durchzusehen. „Du hast versprochen ihn nie wieder in unser Leben zu lassen – und jetzt nimmst du ihn mit nach Hause?“, fragt sie.

Horizontale Erzählstränge

Wie der „Tatort“ aus Berlin setzt auch die „Letzte Spur“ auf horizontale Erzählstränge. Während Radek seine Ehekrise zu bewältigen versucht, muss sich Mina mit ihren iranischen Wurzeln auseinandersetzen. Ermittler Daniel Prinz (Florian Panzner) ist in familiäre Probleme verwickelt. Kollegin Sandra Reiß (Susanne Bormann) will sich nach ihrer Entführung in der letzten Staffel endlich wieder ins Leben stürzen.

Obwohl der Zuschauer mehr über die Hintergründe der Figuren erfährt, bleibt besonders Radek weiterhin schwer zu durchschauen. Als er sogar seinen eigenen Sohn für die Ermittlungen in Gefahr bringt, beginnt der Zuschauer an ihm zu zweifeln. Die von Regisseur Josh Broecker gekonnt inszenierte Doppelfolge spitzt sich zu, als deutlich wird, dass Lehmanns Einfluss über die Gefängnismauern hinaus zu reichen scheint. Schon bald geht es nicht mehr nur um die Leichen der toten Mädchen – Radek spielt mit dem Serienmörder um ein Menschenleben.

Anders als der Rest der Staffel spielt die Doppelfolge „Monster“ zu großen Teilen aber nicht in Berlin, sondern im fiktiven Ort Dunkerfelde. Gedreht wurde in Hennickendorf in Teltow-Fläming, südlich von Berlin. Da wirkt es fast ein wenig störend, dass jeder Dorfbewohner in perfektem Hochdeutsch daherkommt. Auch die Dialoge wirken stellenweise etwas hölzern, die Aussagen einzelner Figuren zu hochtrabend. Dennoch: Eine Frage, die Drehbuchautor Jens-Frederik Otto schließlich Radeks Sohn in den Mund legt, scheint auch über der ganzen Folge zu schweben: „Gibt es das? Dass ein Mensch nur böse ist, abgrundtief, nichts Gutes in ihm?“

„Monster“, ZDFneo, Dienstag 21 Uhr 45 Uhr; ZDF, Freitag 21 Uhr 15

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