Medien : „Lex Johannes B. Kerner“

ZDF verlängert Vertrag mit neuer Werberichtlinie / Zukunft von Beckenbauer als Fußball-Experte offen

Joachim Huber

Schnell sei es gegangen, sagen sie beim ZDF, und problemlos außerdem. Zwar ist der ausgehandelte Vertrag zwischen Johannes B. Kerner und dem Sender noch nicht unterschrieben, doch fest steht: Kerner bleibt dem ZDF weitere drei Jahre und damit bis Ende 2009 verbunden. Am Leistungsumfang des fleißigen Bildschirmarbeiters wird es keine Abstriche geben: Johannes B. Kerner liefert dem ZDF pro Jahr rund 145 Ausgaben seiner eigenproduzierten Talkshow, etwa zehn Mal im Jahr wird er durch das „Aktuelle Sport-Studio“ führen; dazu kommen weitere Sport- und Event-Moderationen wie beim Format „Unsere Besten“.

Ein wesentliches Detail im Vertrag wird geändert: Bei Kerners Werbeauftritten dreht sich die bisherige „Mitteilungspflicht“ gegenüber dem Sender in eine „Genehmigungspflicht“ durch das ZDF. Damit soll ein Konflikt ausgeschlossen werden wie jüngst bei Kerners werblichem Engagement für einen erfolgreichen Börsengang der Fluglinie Air Berlin. Im Vorfeld dazu hatte Kerner in seiner Talkshow auch Air-Berlin-Chef Joachim Hunold zu Gast. Das ZDF hat seinem Moderator aufgegeben, dass Johannes B. Kerner künftig streng zwischen seinen Werbeauftritten und seiner Bildschirmarbeit trennt, zudem seine Werbepartner klüger auswählt. Ein Werbeplädoyer, vergleichbar der empfohlenen Zeichnung von Air-Berlin-Aktien, ist künftig ausgeschlossen, heißt es im ZDF.

Nun gibt es beim ZDF noch weitere Mitarbeiter, die vergleichbar mit Kerner in einem festen-freien Status für den Sender arbeiten; dazu gehören „Sport-Studio“-Moderator Michael Steinbrecher und „Leute heute“-Conférencière Nina Ruge. Deren Verträge werden, sobald sie zur Verlängerung anstehen, nach Maßgabe der „Lex Kerner“ angepasst. Am 29. Juni will der Fernsehrat des Senders gemeinsam mit Intendant Markus Schächter die neuen Werberichtlinien für programmprägende Mitarbeiter diskutieren.

Nicht sicher ist, ob bis zu diesem Termin ein weiterer Vertrag verlängert sein wird. Franz Beckenbauer, als Fußball-Experte ans ZDF bis Ende 2006 gebunden, will für die Mainzer weiterarbeiten. Auch das ZDF ist einem fortgesetzten Engagement – „er ist der Kaiser“ – nicht abgeneigt. Nun hat Beckenbauer gerade mit der Deutschen Telekom einen Vertrag als Werbeträger und Experte unterzeichnet. Er soll für PR-Kampagnen zur Verfügung stehen und Spiele der Fußball-Bundesliga online analysieren, deren Internetrechte die Telekom erworben hat. Beckenbauers Vertrag mit dem Unternehmen sei erstens hoch dotiert, zweitens könne es sein, dass er Beckenbauer zur Exklusivität bei der Telekom verpflichte, heißt es beim ZDF. Auftritte beim Mainzer Fernsehsender wären dann ausgeschlossen.

Was jetzt folgt: Beckenbauer schaut sich seinen Telekom-Deal noch einmal ganz genau an, ob „Seitensprünge“ zum ZDF gestattet sind. Was für Deutschlands Werbefigur Nr. 1 nicht unwichtig wäre – beim Internet-Fernsehen der Telekom arbeitet Beckenbauer quasi unterhalb der Wahrnehmungsgrenze.

Und das ZDF? Der Fernsehsender wird schlichtweg überlegen müssen, ob ein neuer Franz-Beckenbauer-Vertrag sich „im finanziell vertretbaren Rahmen“ bewegen kann. Vielleicht war der neue Kerner-Deal so teuer, dass für den „Kaiser“ kein Gebührengeld mehr da ist ?

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