Medien : Liebesverrat an der Tochter

Dominik Grafs Familien-Melodrom „Kalter Frühling“

Thomas Gehringer

Sylvia besucht zu Vaters 65. Geburtstag ihr Elternhaus. Auf dem herrlichen Anwesen wird ein wunderbares Fest gefeiert, und doch ist am Ende alles aus den Fugen geraten. Dies geschieht fast unmerklich, so beiläufig inszeniert Dominik Graf seinen Film „Kalter Frühling“. Dabei verliert der Regisseur keine Zeit und legt die Risse in der Oberfläche umgehend offen. Das Familien-Geschäft, ein einst florierendes Dentallabor, steht vor dem Ruin. Da kommt das Angebot von Sylvias geliebter Cousine Manuela gerade recht, mit dem Geld ihres neuen Lebensgefährten ins Unternehmen einzusteigen. Womit der eigentlich für Sylvia vorgesehene Chefsessel in der Nachfolge des Vaters vergeben wäre.

Der Film „ist in meinen Augen die Geschichte eines Liebesverrats der reichen Eltern an ihrem Kind“, sagt Dominik Graf. Ein Verrat, dessen Ursprung Jahre zurück liege, nun aber am tiefen Misstrauen gegenüber der erwachsenen Tochter sichtbar werde. Tatsächlich booten die Eltern (Friedrich von Thun, Angela Roy) die Tochter aus. Alte Wunden brechen auf. Sylvia (Jessica Schwarz) gerät aus der vorgezeichneten Bahn des erfolgreichen Jura-Studiums und braucht eine Weile und zahlreiche bittere Erfahrungen, bis sie wieder Fuß fasst. Und zurückschlägt.

Wie in der Internats-Geschichte „Die Freunde der Freunde“ arbeitet der 51-jährige Regisseur auch in „Kalter Frühling“ mit zwei der talentiertesten Nachwuchs-Schauspieler zusammen: Die frühere Viva-Moderatorin Jessica Schwarz und Matthias Schweighöfer.

„Kalter Frühling“: Arte, 20 Uhr 40

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