Like Button : Der Wert der Flaneure

Jugendliche surfen oft ziellos im Netz. Marketingexperten wissen das zu nutzen. Sie ködern mit Unterhaltung und hoffen auf Empfehlung.

Christian Helten

Mehr als zwei Stunden verbringen Jugendliche zwischen 14 und 29 Jahren pro Tag im Internet. Wer sie erreichen will, muss sie also auch dort ansprechen. Damit die Rufe in den Weiten des Netzes nicht verhallen, ist eine Frage wichtig: Was wollen die jungen Internetnutzer?

Der Kommunikationswissenschaftler Sebastian Doedens fand in seiner Anfang Oktober erscheinenden Doktorarbeit heraus, dass nur wenige Jugendliche das Internet nutzen, um gezielt nach Informationen zu suchen. „Für viele Jugendliche ist das Internet eine Flaniermeile“, sagt Doedens. Ein Ort des Zeitvertreibs also, den man auf der Suche nach Unterhaltung durchstreift. Je jünger die Nutzer sind, desto mehr flanieren sie.

Dieses Surfverhalten wissen Marketingexperten zu nutzen. Besonders gut funktioniert das in sozialen Netzwerken wie Facebook. Laut der international angelegten Studie „Me Public“, die Volkswagen und MTV am Mittwoch vorstellten, nutzen 58 Prozent der 26 000 befragten Jugendlichen täglich soziale Netzwerke – im Durchschnitt sind sie Mitglied bei drei verschiedenen Plattformen. Sie haben durchschnittlich 195 Online-Freunde und verbringen täglich zwei Stunden in Netzwerken. Viele scheuen sich nicht, ihre Markenvorlieben in den Netzwerken kundzutun.

43 Prozent der Jugendlichen veröffentlichen ihre Lieblingsmarken auf ihren Profilseiten, 50 Prozent gaben an, sich beim Einkaufen auf die Empfehlungen ihrer Netzwerk-Freunde zu verlassen. Was im realen Leben auf dem Schulhof passiert, funktioniert also auch in sozialen Netzwerken. „Die Jugendlichen bringen über soziale Netzwerke ihre Identität zum Ausdruck“, sagt Olaf Rüsing vom Marktforschungsunternehmen Rich Harvest, das die Studie durchführte. „Sie suchen Aufmerksamkeit und Bestätigung, durch Funktionen wie den Like-Button auf Facebook können sie zeigen, wer sie sind.“ Christian Helten

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