Lindenberg und die DDR : Die Stasi und der Panikrocker

Propagandasieg für die SED? Udo Lindenberg und Reinhold Beckmann stellen ihre Doku über das DDR-Konzert des Musikers vor.

Zeitgeschichte wollen Reinhold Beckmann und Udo Lindenberg (r.) erzählen.
Zeitgeschichte wollen Reinhold Beckmann und Udo Lindenberg (r.) erzählen.Foto: dpa

Der 13. Januar wird für Udo Lindenberg ein wichtiger Tag. Nicht nur, weil in Berlin die Weltpremiere seines Musical „Hinterm Horizont“ über selbst erlebte deutsch-deutsche Geschichte gefeiert wird. Sondern auch die ARD widmet sich dem Rockstar und seinem Verhältnis zur DDR: Um 23 Uhr 30 zeigt sie die Dokumentation „Die Akte Lindenberg: Udo und die DDR“, die Reinhold Beckmann und Falko Korth über Lindenbergs Kampf für ein Konzert in der DDR gedreht haben.

Am Dienstag stellten Beckmann und Lindenberg den Film in Berlin vor. Es seien viele Dinge zutage gefördert worden, von denen er nichts gewusst habe, sagte Lindenberg. Beispielsweise die extreme Überwachung durch die Stasi oder die zahlreichen Festnahmen von Fans vor dem Palast der Republik. Damals habe er sich von den DDR-Oberen „in keinster Weise“ ausgenutzt gefühlt, sagte Lindenberg. „Wichtig war mir nur, für die vielen Menschen in der DDR zu singen.“

Seit den 70er Jahren hatte Lindenberg vergeblich um eine Tournee durch die DDR gekämpft. Kritische Stücke wie „Mädchen aus Ostberlin“ und „Sonderzug nach Pankow“ verstärkten die Ablehnung im Politbüro. Anfang der 80er Jahre, während der Auseinandersetzungen um Atomraketen, lässt die DDR einen Auftritt zu – bei einem sogenannten Friedenskongress am 25. Oktober 1983.

Reinhold Beckmann hat Lindenberg damals als Kamera-Assistent eines ARD-Teams nach Ost-Berlin begleitet. Mit Hilfe von Stasi-Akten sowie Interviews mit beteiligten früheren DDR-Offiziellen oder Zeitzeugen rekonstruieren Beckmann und Korth nun die Zusammenhänge und Hintergründe von damals.

Die SED erhoffte sich von dem kleinen Konzert eines BRD-kritischen West-Künstlers einen Propagandasieg. Vier Lieder durfte Lindenberg vor ausgesuchten staatstreuen FDJ-Jugendlichen spielen, derweil vor dem Palast der Republik die tatsächlichen Fans von der Stasi in Schach gehalten wurden. Einige landeten im Gefängnis und wurden zusammengeschlagen, sagt ein Augenzeuge im Film.

Sein „dicker Vertrag“ für eine an das Konzert anschließende Tournee durch die DDR sei vier Monate später gebrochen worden, sagte Lindenberg. In der DDR habe „die Angst in der Luft“ gelegen. Die Verantwortlichen hätten sich vor der Rock'n'Roll-Welt gefürchtet.

Der Film sei ein Stück Zeitgeschichte, meinte Lindenberg. Gerade für die jungen Leute sei er wichtig, weil diese dächten, „Honecker ist eine Knackwurstfirma“. sop/dapd/dpa

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