Medien : Lohnt sich das?

Deike Diening

„Stauffenberg“, „Die Stunde der Offiziere“ – Arte, 20 Uhr 45 und 22 Uhr 20. Man scheint sich öffentlich geeinigt zu haben, dass sich ARD und ZDF lächerlich benehmen, wenn um die Jahrestage deutscher Geschichte ein Wettstreit entbrennt: Im letzten Jahr traten die beiden Sender zum 17. Juni gegeneinander an. Nach der Produktion versuchten sie, sich mit vorgezogenen Sendeterminen die Quoten abzujagen. Jetzt galt es, den größeren Publikumserfolg zum Stauffenberg-Attentat in die eigene Scheune zu fahren. Während die ARD dabei eine vielköpfige Sendeanstalt bleibt, personalisiert das ZDF den Kampf im Chefhistoriker Guido Knopp. Lohnt sich das denn? Werden da nicht Rundfunkgebühren verbraten?

Die Frage ist in etwa so, als würde man behaupten, Berlin brauche nur eine Oper – oder ein Theater. Angenommen, es gilt, was Sebastian Haffner sagte: Geschichte ist – anders als Vergangenheit – Fiktion. Erst wer Vergangenheit interpretiert, erzählt Geschichte. Schillert diese Geschichte nicht farbenreicher, wenn man sie in zwei verschiedenen Erzählungen hört? Tut es nicht dem Geschichtsverständnis gut, wenn um die Vermittlung ein Wettstreit entbrennt, und die Sender da das Beste herausholen? Hier haben wir es mit zwei Inszenierungen eines klassischen Stoffes zu tun. Wobei die Tatsache, dass es mehrere Versionen gibt, wichtiger ist, als das Ergebnis selbst.

Die Fiktion des ZDF ist ein Doku-Drama mit überzeugendem Drama geworden („Die Stunde der Offiziere“), die der ARD ein Spielfilm für’s Herz („Stauffenberg“) mit einem grandiosen Sebastian Koch. Auf Arte laufen die Kontrahenten heute im direkten Vergleich. Jeder kann selbst urteilen, ob sich der Aufwand gelohnt hat.

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