Medien : „London hat schon zu viele gute Magazine“

Die Herausgeber Bryan Adams und Sandor Lubbe wollen „Zoo“ zur internationalen Plattform für Fotografen machen

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Was ist leichter, ein neues Album aufzunehmen oder ein Magazin auf den Markt zu bringen?

BRYAN ADAMS: Schwierig ist beides. Bis ich ein Album fertig habe, kann es Jahre dauern. „Zoo“ haben wir innerhalb von einem Jahr gestemmt. Das war sehr anstrengend, aber eine aufregende und sehr kreative Zeit.

Wie kommt es, dass ein Rockstar wie Sie plötzlich Journalist wird?

ADAMS: Ich schreibe ja nicht für „Zoo“, sondern ich bin Herausgeber. Die Idee für das Magazin hatte der Niederländer Sandor Lubbe, der damals auch das Mode und Fotomagazin „Dutch“ erfunden hat.

Wie sind Sie zusammengekommen?

ADAMS: Ich habe Sandor bei einem Foto-Shooting in Mailand getroffen. Ein Abendessen und ein paar Telefonate später war ich überzeugt, dass wir „Zoo“ zusammen machen sollten. Und da kein großes Verlagshaus mitmachen wollte, dachten wir, dann machen wir es halt alleine.

Mit welchen Verlagen haben Sie geredet?

ADAMS: Mit einer ganzen Menge. Die sind im Augenblick alle einfach sehr, sehr vorsichtig.

SANDOR LUBBE: Mit dem Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr hatte ich intensive Gespräche.

ADAMS: Jetzt machen wir es alleine und fühlen uns gut dabei. Es ist doch oft so: Wenn jemand eine Idee hat, sagen erst alle, wie toll sie ist. Später dann rudern die meisten Stück für Stück wieder zurück. Aber ehrlich, wäre Sandor nicht, würde es „Zoo“ in dieser Form nicht geben. Er hat den Löwenanteil der kreativen Arbeit erledigt.

Mister Adams, Sie sind Kanadier, leben in London, und geben jetzt in Berlin ein deutschsprachiges Magazin heraus. Was hat Sie gereizt, das zu machen?

ADAMS: London hat einfach schon viel zu viele gut gemachte Magazine. In Deutschland ist der Markt noch nicht so voll. Mit der Sprache ist es für mich zwar ehrlich gesagt ziemlich kompliziert. Ich verstehe schließlich kein Deutsch, aber „Zoo“ muss ja nicht unbedingt deutsch bleiben.

International vertrieben wird „Zoo“ ja bereits mit der ersten Ausgabe. Welche weiteren Pläne haben Sie?

ADAMS: Wir warten ab. Die erste Ausgabe haben wir zwar nur auf Deutsch gedruckt. Aber vielleicht drucken wir die nächste ja bereits zweisprachig. Wer weiß…

In Deutschland gibt es noch immer die Haltung, Hochglanzmagazine müssten entweder aus Hamburg oder aus München kommen. Berlin und Hochglanz – das schließt sich für viele aus.

ADAMS: Warum? Berlin ist die Stadt überhaupt, Berlin ist ein kreativer Tank. Hier tut sich eine Menge, das kann man überall in der Stadt spüren.

Das scheinen auch einige andere Journalisten so zu sehen, die ganz ohne Verlag im Rücken nun ebenfalls ihre eigenen Magazine in der Hauptstadt gründen.

ADAMS: Ich habe davon gehört und wünschen denen viel Glück.

Welche Bedeutung ist mit dem Titel „Zoo“ verknüpft? Ist das eine Anspielung auf den Zoologischen Garten hier in Berlin?

ADAMS: Der Name ist mir beim Kaffeetrinken eingefallen. Ich mag am liebsten diese Ironie, die darin enthalten ist. „Zoo“ – Menschen betrachten Menschen.

Macht es Spaß, Sie als Chef zu haben? Sie gelten gemeinhin als schwierig …

ADAMS: Warum?

Es heißt, sie hätten das erste Layout- Team geschlossen gefeuert …

ADAMS: Das hört sich jetzt aber viel schlimmer an, als es war. Wenn kreative Menschen zusammenkommen, um miteinander zu arbeiten, kommt es nunmal vor, dass man nach einer gewissen Zeit feststellt, dass man doch kein so tolles Team ist. Entweder es klappt, oder es klappt nicht. Es ist nie einfach, etwas Neues anzufangen. Das ist nicht anders als bei der Produktion eines Musik-Albums.

Sie sind nicht nur Herausgeber und unterstützen „Zoo“ finanziell, sondern haben Herbert Grönemeyer und Heike Makatsch für die erste Ausgabe fotografiert.

ADAMS: Ich liebe Fotografie und fotografiere selber auch schon recht lange. Würde ich nicht fotografieren, hätte ich Sandor niemals kennen gelernt. „Zoo“ soll in erster Linie eine Plattform für deutsche Fotografen werden. Es gibt so viele tolle Leute hier.

LUBBE: Wir sind sehr optimistisch, dass „Zoo“ funktioniert. Natürlich ist es in diesen Zeiten schwierig, Anzeigenkunden vor allen Dingen für eine erste Ausgabe zu begeistern. Aber ich habe zum Glück noch aus „Dutch“-Zeiten viele Kontakte.

Das Gespräch führte Eva Lehnen.

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