Lottomann, äh, Lindemann : Loriot-Schauspieler Heinz Meier gestorben

Loriot und Theater bestimmten das Leben des Schauspielers Heinz Meier. Ein Nachruf.

Joachim Huber
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Es gibt diese klassischen Fernsehszenen. Als Raimund Harmstorf als „Seewolf“ eine rohe Kartoffel mit bloßer Hand zerquetschte, wenn Butler James im „Dinner for One“ über den Eisbärenkopf stolpert – oder Erwin Lindemann als interviewter, überforderter und 500 000 Jahre alter Lottogewinner eine Herrenboutique auf Island eröffnen will. Heinz Meier hat Erwin Lindemann im Loriot-Sketch gespielt. Der in Ostpreußen geborene Schauspieler gehörte zum festen Ensemble um Vicco von Bülow (1923-2011) und Evelyn Hamann (1942-2007). Er spielte – bis auf eine Ausnahme – in allen Loriot-Stücken mit, auch 1991 im Kinofilm „Pappa ante Portas“. Meier stand zuletzt 2009 für die Filmkomödie „Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus“ von Leander Haußmann vor der Kamera.

Loriot und das Theater bestimmten Meiers Leben. „Loriot hat mich geschätzt, weil ich in seinen Augen der Prototyp des einfachen, kleinen Mannes war und diesen gut darstellen konnte“, sagte er. Loriot verlangte nicht vorwärtsdrängende Schauspielkunst, er forderte Disziplin, große Ernsthaftigkeit, Präzision, denn nur aus dieser Nicht-Komik der Inszenierung erwuchs die große Komik der Loriot’schen Kunst.

Meier wusste und akzeptierte das. Und er fand seinen Ausgleich auf der eigenen Bühne, dem Wallgraben-Theater in Freiburg, das der Schauspieler und Kabarettist vor genau 60 Jahren mit Studienfreuden gegründet hatte, er war bis zuletzt einer der drei Inhaber. Dort spielte er Stücke von Camus über Beckett, Cocteau und Ionescu bis zu Sartre. Und Loriot, immer wieder Loriot, denn das „Universal- und Jahrhundertgenie“, wie Meier seinen Freund und Förderer nannte, hatte dem Wallgraben-Theater jahrelang exklusiv erlaubt, seine Stücke zu spielen. Für die Existenz der kleinen Privatbühne eine Lebensversicherung.

Am Sonntag ist Heinz Meier in Schliengen mit 83 Jahren gestorben. jbh

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