Medien : Lucy in the Sky with Diamonds

Tom Peuckert

Vor gut 60 Jahren entdeckte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann im Selbstversuch die enormen Wirkungen des Lysergsäurediäthylamids, kurz LSD oder als „Lucy in the Sky with Diamonds“ in einem Beatles-Song. Regine Ahrem und Michael Rodach haben ein Hörspiel über Meister Hofmann und seine fabelhaften Forschungen geschrieben. „Hofmanns Elixier oder Die Welt ist perfekt“ ist eine ebenso amüsante wie fesselnde Montage aus autobiografischen Notizen und historischem Radiomaterial. Das Hörspiel umkreist das Wesen der Drogenerfahrung und die lange Kulturgeschichte psychoaktiver Substanzen. (SWR 2, 7. September, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

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Wie geht ein begabter Flaneur durch die Straßen der Großstadt? „Mit leerem Kopf, die Augen dennoch wie geschliffen“, heißt es bei Philippe Soupault. In hellwacher Trance treibt der Flaneur durch das Unterholz der Städte. Ein sublimer Psychologe, ein blitzschnell kombinierender Detektiv und doch ein Träumender, der weiß, dass der nüchterne Blick auf die Dinge auch nur eine Form der Mystifikation des Wirklichen ist. Eine ganze Radionacht lang redet Autorin Gabriele von Arnim mit verschiedensten Experten in „Es singt und seufzt und träumt die Stadt“ über die Kunst des Flanierens. (Deutschlandradio Kultur, 9. September, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Die Spur einer bizarren Geschichte hat Autor Jens Jarisch in den Bergurwald von Peru getrieben. Dort leben in einem Dorf namens Pozuzo die Nachfahren deutscher und österreichischer Auswanderer. Vor anderthalb Jahrhunderten kamen sie als europäische Wirtschaftsflüchtlinge und bauten sich tief versteckt im Urwald eine neue Heimat. In seinem Feature „Der störrische Traum vom Paradies“ erkundet Jarisch Geschichte und Gegenwart dieser wohl einmaligen Wanderbewegung. (Deutschlandradio Kultur, 9. September, 18 Uhr 05).

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Glaubt man den Volksaufklärern vergangener Jahrhunderte, dann ist Onanie eine Leibesübung, die direkt vom Teufel kommt. Melancholie, Gedächtnisschwund und Wahnsinn galten als direkte Folgen des privatesten aller Laster. Noch Richard Wagner führte die musikalische Dissidenz seines Freundes Nietzsche auf übermäßige Onanie zurück – worauf der schwer gekränkte Junggeselle den philosophischen Hammer von der Wand holte. Ludger Lütkehaus hat einen Radioessay über die denkwürdige Beschäftigung geschrieben. Unter dem Titel „Sünde, Seuche, Suizid“ reflektiert er die lange Kulturgeschichte menschlicher Autoerotik (SWR 2, 11. September, 21 Uhr 03).

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Seine beste Zeit hatte das Hörspiel im Amerika der 30er- und 40er-Jahre. Auch die allerberühmtesten Kinostars ließen es sich nicht nehmen, im Radio mitzuspielen. Humphrey Bogart und Marlene Dietrich hatten eigene Hörspielserien. An die glorreichen Jahre erinnert nun eine Reihe im Kulturradio. Bei „Hollywood on air“ gibt es jeden Abend amerikanische Hörspiele aus dieser Zeit. Der Originalsound wird ergänzt von einer dezenten deutschen Synchronisation (Kulturradio, 11. bis 15. September, jeweils 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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