Medien : Lustig in München, kreativ im Kopf

Tom Peuckert

Die Lebensformen des Bürgers und des Bohemiens, so hat die Soziologie herausgefunden, werden heute immer ähnlicher. Der Bourgeois ist spielerisch und lässig geworden, der Bohemien fühlt sich in der Mitte der Gesellschaft wohl. Bobo heißt die neue Trendfigur. Berlin, so behaupten wir mal, wird mittlerweile von einem waschechten Bobo regiert. Auch die Münchener sind diesbezüglich en vogue. Ihr populärer Oberbürgermeister Christian Ude glänzt gleich in mehreren künstlerischen Nebenrollen: Ude tritt als Kabarettist auf, hat Filme synchronisiert, veröffentlicht humoristische Bücher. Der Mann ist Träger des Karl-Valentin-Ordens und Mitglied im „Verein gegen betrügerisches Einschenken“. Bei Ude, so jubeln die Fans, wird noch die letzte Baumarkteröffnungsrede zum pointierten Vergnügen. In der Reihe „Querköpfe“ hat Katinka Strassberger den Münchener Trendsetter porträtiert (Deutschlandfunk, 15. November, 21 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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Die letzte Wahrheit über di e Kunst haben schon viele zu ergründen versucht. Auch Friedrich Pohlmann hat sich an die Betriebsgeheimnisse des Schöpferischen gewagt. In seinem Essay „Der kreative Einfall“ geht es um den Ursprung des Kunstwerks im Hirn des Künstlers. Welche zentralnervöse Gestimmtheit geht dem kreativen Einfall voraus? Wie wird aus luftigen Einfällen am Ende ein respektables Kunstwerk? Pohlmann hat das Schaffen von Renoir, Beethoven, Benn und Enzensberger untersucht (Kulturradio, 16. November, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Das Jahr 1956 ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt. Warum soll man den Jubilar nicht kräftig feiern? „Tanz auf dem Nierentisch“ hat Paul Stänner seine lange Radionacht überschrieben, die einzig dem deutschen Jahr 1956 gewidmet ist. Rückblick auf das gute, alte Wirtschaftswunder. Eine Fresswelle rauscht durchs Land, das Fernsehen zeigt erstmals populäre Unterhaltungsshows, die Rente wird dynamisch. Neben internationalen Krisen gibt es Anlässe für internationalen Jubel: Grace Kelly heiratet den Fürsten von Monaco, die Deutsche Petra Schürmann wird zur schönsten Frau der Welt gekürt. Eine Nacht lang präsentiert Autor Stänner historische O-Töne und Zeitzeugen aller Art (Deutschlandradio Kultur, 18. November, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Das Sterben, sagen die Kulturkritiker, ist heute zu einer Art Betriebsgeheimnis des Lebens geworden. Man kann alt werden, ohne einen einzigen Toten zu Gesicht zu bekommen. Wer tot ist, wird sofort der öffentlichen Wahrnehmung entzogen. Sogar die Leichenwagen tragen neutrale Farben. Aber in Beate Lehners Feature „Ich weiß, dass ich bald sterben muss“ wird pausenlos über den Tod geredet. Leute kommen zu Wort, die mit dem Sterben in intimsten Kontakt getreten sind: als Moribunde, als Hinterbliebene, als professionelle Sterbebegleiter (Deutschlandradio Kultur, 18. November, 18 Uhr 05).

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Der Schriftsteller Frank McCourt hatte eine bitterarme Kindheit im irischen Limerick. Als junger Mann ging er nach New York und wurde Lehrer. Erst nach seiner Pensionierung fing McCourt an, Bücher zu verfassen. Er schrieb nur auf, was er als Kind und als Lehrer erlebt hatte, aber das auf so eindringliche Weise, dass die ganze Welt seine Geschichten hören wollte. McCourts Memoirenbücher „Die Asche meiner Mutter“ und „Ein rundherum tolles Land“ wurden Weltbestseller. Im Feature „Den Kopf randvoll vom Radau im Klassenzimmer“ porträtiert Matthias Eckoldt den Spätberufenen (Deutschlandradio Kultur, 21. November, 19 Uhr 30).

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