Medien : Macht die DFL Fernsehen?

Bundesliga: Die Telekom sucht noch einen Partner, Arena hat womöglich schon einen gefunden: die DFL

Simon Feldmer

Mit einer pathetischen Show präsentierte der neue Bundesliga-Live-Sender Arena am Montag seine Planungen für die nächste Saison – von den Abo-Discountpreisen bis zu den Moderatoren Welke, Koch & Co. Eine wichtige Information behielt Arena aber für sich: Angeblich hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eine Option, sich am neu gegründeten Bundesligasender zu beteiligen. Sowohl „FAZ“ als auch „Süddeutsche“ berichten dies in ihren heutigen Ausgaben, sich auf einen vertraulichen Anleihe-Emissionsprospekt des Arena-Eigentümers Unity Media berufend. Arena biete der DFL an, zehn Prozent der Arena-Anteile zu übernehmen. Dem würden bestimmte Erwartungen über den Erfolg des neuen Bundesliga-Pay-Angebots zugrunde liegen. Würden diese verfehlt, könne die DFL kostenlos die Anteile übernehmen. Unter bestimmten Bedingungen sei ein Kauf der zehn Prozent für die Vereinigung der Profiklubs möglich. Außerdem stehe im Prospekt, dass Arena erwäge, „ein oder zwei Spiele pro Woche allen Kabelfernsehhaushalten kostenlos anzubieten.“

Bei einem weiteren Recht am „Premiumprodukt Bundesliga“ kommt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) im April vielleicht wieder mit Arena ins Geschäft: Die Entscheidung zu Sportbar-Lizenzen steht an. Neben Premiere gelten die Deutsche Telekom sowie eben Arena als Bieter für die 13 000 Sportbars im Lande.

Doch noch ein viel spannenderes Match steigt im April um die Rechte im Internet. Die Telekom hat sich die Live-Rechte der Liga im Web gesichert. Und die Taktikspiele um das neue Internet-Fernsehen (IP-TV) versetzen die TV-Sender in Aufregung. Die Telekom braucht auf Druck der Landesmedienanstalten eine Sendelizenz für ihr Live-Fußball-Portal. IP-TV gilt als massenmedialer Wachstumsmarkt. Da will jeder dabei sein – am besten mit Fußball.

Die Fernsehsender schreckt nicht ab, dass noch kein deutscher Haushalt an das internet-TV-taugliche Glasfasernetz (VDSL) der Telekom angeschlossen ist. Der Telekommunikationsriese beginnt gerade mit dem Verlegen der Leitungen in zehn deutschen Städten, darunter Berlin, Hamburg und München. Bis August will die Telekom 2,9 Millionen Haushalte angedockt haben – von flächendeckender Versorgung kann da nicht die Rede sein. Pro Sieben Sat 1 hat dennoch schon einen Vertrag für das Imageprojekt abgeschlossen: Ab dem Sommer will die Sendergruppe alle fünf Programme auch über das VDSL-Netz verbreiten.

Zeitig hat Premiere-Boss Georg Kofler verkündet, in Sachen Internet-Fernsehen mit der Telekom zu verhandeln. Seine Zielrichtung ist klar: Bundesliga. Koflers Hoffnung auf den Telekom-Deal ist groß. „Wir sind in Verhandlungen mit mehreren Rechteinhabern“, sagt Premiere-Sprecher Dirk Heerdegen. IP-TV spiele in den Premiere-Plänen eine große Rolle.

Ein Telekom-Sprecher sagt jedoch: „Wir verhandeln mit vielen TV-Sendern. Premiere ist einer davon.“ Laut „Handelsblatt“ spricht die Telekom allerdings bereits konkret mit Premiere über eine Minderheitsbeteiligung. Das sollen Verhandlungskreise gestern bestätigt haben. Offiziell wollten weder Telekom noch Premiere diese Gespräche bestätigen. Fakt ist wohl: Ein Termin für eine endgültige Entscheidung ist noch nicht abzusehen. Sowohl das Deutsche Sportfernsehen als auch Pro Sieben Sat 1 gelten als weitere Kandidaten für eine Telekom-Allianz, auch Arena wird genannt. Bei der Deutschen Fußball-Liga will man den Ball flach halten. Ein zweites Pay-TV-Angebot durch die Internet-Hintertüre wird die Liga zu verhindern versuchen. Man will den neuen Hauptzahler Arena, der mehr als 200 Millionen Euro pro Saison überweist, nicht brüskieren.

Premiere-Mann Heerdegen ist zuversichtlich: „Wir werden bis zum Saisonende ein neues Angebot vorstellen.“ Ein Bundesliga-Paket sei da wahrscheinlich mit drin. Bleibt die Frage eines Liga-Managers, der die einfache Rechnung aufmacht: Kofler habe zuletzt 185 Millionen Euro pro Saison für die Ligarechte bezahlt, für knapp über 200 Millionen hätte er inklusive der Freitagspiele auch jetzt den Zuschlag bekommen. „Das wollte er nicht. Und jetzt würde er viel Geld für Internet-Fernsehen ausgeben, das in den Kinderschuhen steckt. Komisch, oder?“ Vielleicht darf sich die Telekom ja im Gegenzug mit einer Minderheitsbeteiligung bei Premiere einnisten. (mit dpa)

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