Medien : Männer in Münster

Im „Wilsberg“ löst Ekki den Manni ab, und auch im „Tatort“ geht es um eine schwierige Freundschaft

Kurt Sagatz

„Ich stehe auf amerikanische Krimis, italienische Autos und deutsche Frauen“ – vor allem junge Frauen aus Westfalen sind nach dem Geschmack von Ekkehard Talkötter. Der neue Mann – oder sollte man besser sagen: der neue Manni – an der Seite des schrulligen Antiquars und Privatdetektivs Georg Wilsberg (Leonard Lansink) hat im ersten gemeinsamen Auftritt in „Wilsberg – Ausgegraben“ eine denkbar schwierige Aufgabe: Ekki alias Oliver Korittke soll in die Fußstapfen des spröden, aber herzlichen Heinrich Schafmeister treten. Wo Manni schüchtern und oftmals beleidigt war, tritt Korittke als Steuerprüfer – der sich über Wilsbergs Bilanzen beugt – ungewohnt selbstbewusst und besserwisserisch auf. Und noch etwas hat sich geändert: Aus Mannis altem Volvo wurde ein spritziger Alfa-Romeo, nur die rote Farbe ist geblieben – und natürlich stellt sich bald die Frage, ob Wilsberg auch Ekki das Auto ständig abspenstig machen kann.

Zwischen dem „Wilsberg“ am Samstag und dem ebenfalls in Münster spielenden „Tatort – der doppelte Lott“, der am Sonnabend das Krimipublikum in die westfälische Metropole lockt, gibt es diesmal interessante Gemeinsamkeiten. Einerseits spielt auch im „Tatort“ das Auto in Form eines Porsche 911 eine wichtige Rolle. Andererseits nimmt auch beim Gespann von Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und dem arroganten Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) die zwischenmenschliche Note einen wichtigen Teil der Handlung ein. Während aber im ZDF die erwartbare, aber geschickt inszenierte Annäherung von Wilsberg und Talkötter ihren Lauf nimmt, müssen Prahl und Boerne erst einmal auf Distanz gebracht werden. Wie sonst könnte der Mediziner seine überhebliche Bissigkeit am HSV-Fan Thiel abreagieren?

Bei allen neuen und immer wieder schwierigen Münsteraner Männerfreundschaften gerät ein anderes Sujet ins Hintertreffen: Das Kriminalistische kommt in beiden Fällen ohne die typischen Geschichten aus der westfälischen Provinz aus. Das Bindeglied bei Wilsberg sind vielmehr die Kelten, denn offenbar werden die illegalen Grabungen nach Schmuck aus der Bronzezeit einer Arztgattin zum Verhängnis, die mit einer Grabbeigabe aus jener Zeit um den Hals erwürgt aufgefunden wird. Zum Fall für Wilsberg wird sie gleich doppelt. Zum einen befindet sich erneut eine seiner Visitenkarten beim Opfer, zum anderen wird Wilsbergs Patenkind Alex zur unfreiwilligen Zeugin, die um ihr Leben fürchten muss.

Im „doppelten Lott“ stellt sich hingegen die spannende Frage, ob das Mordopfer nun umgebracht wurde, weil es als Kabarettist den verhassten rechtsextremenen Bürgermeisterkandidaten einmal zu oft imitierte, oder ob seine homosexuellen Beziehungsprobleme die Ursache für die Tat waren. Dass Professor Boerne zugleich verdächtigt wird, an einem Verkehrsunfall mit Todesfolge beteiligt gewesen zu sein, kompliziert die Ermittlungen zusätzlich. Das lange Münster-Krimiwochenende ist damit gesichert.

„Wilsberg – Ausgegraben“: ZDF, Samstag 20 Uhr 15; „Tatort: Der doppelte Lott“: ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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