Magazin : Quer durch Teheran

Ein „Auslandsjournal XXL“ im ZDF zu den Wahlen im Iran will sich dem Land mit mehr Tiefe widmen

Thomas Gehringer

Auf 19 Kilometern durchschneidet die Valiye-Asr-Straße Teheran, vom reichen Norden, wo die Immobilienpreise so hoch sind wie in New York, bis in den Süden, wo die Ärmsten wohnen. Zwölf Tage lang hat ZDF-Korrespondent Halim Hosny bei Dreharbeiten Ende Mai für diese Strecke gebraucht. Heute ist seine Reportage, zwei Tage vor den Präsidentschaftswahlen im Iran, im „Auslandsjournal XXL“ zu sehen. Ein 20-minütiges „Roadmovie“, wie Hosny sagt, bei dem er einen Einblick in Alltag und Gefühlswelt der Menschen geben wolle, verbunden mit politischen Hintergründen. Dem ehemaligen Premierminister Mir Hussein Mussawi räumt er als gemäßigtem Gegenkandidaten zu Präsident Ahmadinedschad realistische Chancen ein, wobei es bei Wahlen im Iran durchaus Manipulationsmöglichkeiten gebe. Hosny wundert sich über die Amerikanisierung des kurzen, aber heftigen Wahlkampfs und den Slogan ausgerechnet des Präsidenten (ins Englische übersetzt: „We can“), der sich somit an die erfolgreiche Kampagne von Barack Obama anlehnte.

Die neue US-Regierung habe bei den Menschen auch in Teheran Hoffnungen geweckt, die Angst vor einem Militärschlag wegen des iranischen Atomprogramms sei vor einem Jahr stärker gewesen, sagt Hosny. Bei den Dreharbeiten konnte er sich frei bewegen, allerdings waren im Vorfeld nicht alle Drehgenehmigungen erteilt worden. Weder durfte er die Religionspolizei begleiten noch in öffentlichen Verkehrsmitteln drehen. Neben der Reportage wird es eine aktuelle politische Analyse sowie in einem weiteren Beitrag die amerikanische Perspektive auf den Konflikt mit dem Iran geben.

Zum dritten Mal weitet das ZDF sein regelmäßiges Magazin „Auslandsjournal“ zu einem Schwerpunkt mit Überlänge aus. Nach einer 80-minütigen Indien-Dokumentation im März, dem ersten von vier Teilen einer Koproduktion mit dem kanadischen Sender CBC, sowie einer einstündigen Extraausgabe vor der Europareise Obamas am 1. April sind diesmal für den Iran nur noch 45 Minuten übrig geblieben. Somit ist also bestenfalls ein „Auslandsjournal XL“ entstanden. Immerhin hat der ehemalige „Frontal“-Moderator Theo Koll, der seit Februar als neuer Auslandschef des ZDF im Amt ist, mit diesem Format schon etwas Sendezeit herausgeschlagen.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, eine möglichst große Plattform für die Auslandsberichterstattung zu schaffen“, sagt Koll in gewohnter Zurückhaltung. Als reisender Welterklärer sieht sich der langjährige London-Korrespondent nicht. So wird er, wie bei „Frontal“, auf eigene Filme vorerst verzichten, zumal intern ja genug zu tun ist. Nachdem der Abgang von Johannes B. Kerner zum Jahresende feststeht, gilt es, sich im Kampf um frei werdende Sendeplätze rechtzeitig zu empfehlen. Das „Auslandsjournal“ hat nach einigem Hin- und Herschieben nun am Mittwochabend einen festen Platz, auf dem die Mainzer ein Ansteigen der Marktanteile festgestellt haben, sogar in der jüngeren Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen: von 3,6 Prozent im Jahr 2007 auf 5,2 im ersten Quartal 2009. Das sind zwar keine XXL-Quoten, aber es zählt nach zum Teil heftiger Kritik von Ulrich Tilgner und anderen Korrespondenten im vergangenen Jahr der Wille, die Auslandsberichterstattung aufzuwerten. Auch mit Reportagen, die es einem Korrespondenten wie Halim Hosny ermöglichen, sich einem Land mit etwas mehr Tiefe zu widmen.

„Auslandsjournal XXL“,
Mittwoch, ZDF, 22 Uhr 45

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