MAGAZIN-Relaunch : Mehr Ruhe im „Focus“

Die erste Ausgabe des renovierten Magazins

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Repro: Tsp

Es ist eine typische „Focus“-Geschichte: In „Deutschlands größtem Vergleich“ will das Magazin unter allen 161 Krankenkassen gewaltige Unterschiede aufzeigen. Früher wäre so ein Stück wohl auf dem Titel des Magazins gelandet – doch künftig will der „Focus“ weniger Service-Heft, sondern mehr ernst zu nehmendes Nachrichtenmagazin sein. Harte Titelthemen aus Politik und Wirtschaft hatte Chefredakteur Uli Baur im Interview mit dem Tagesspiegel angekündigt. Seit Frühjahr war an der Weiterentwicklung des Heftes gearbeitet worden. An diesem Montag, zum 17. Geburtstag des Magazins, erscheint nun die erste inhaltlich und optisch überarbeitete Ausgabe.

Entsprechend Baurs Ankündigung ist auf dem Titel eine „harte“ Geschichte zu US-Notenbankchef Ben Bernanke und der Inflation zu finden, der Kassen-Vergleich dagegen im hinteren Wirtschaftsteil. Zwar fehlen die für den „Focus“ typischen Charts nicht – allerdings sind sie übersichtlicher als früher, insgesamt erscheint das Magazin ruhiger, auch wenn einzelne Seiten wie beispielsweise der „Brennpunkt“ noch zu überladen wirken. Schade ist, dass der Bereich „Ausland“ und damit das zurzeit aktuelle Thema Haiti weiterhin erst im letzten Teil des Heftes auftauchen. Geschichten wie über Google-Vordenkerin Marissa Mayer oder den Erfolg der Marke Apple dürften die jüngere, internetaffine Zielgruppe kaum vom Hocker reißen. Dabei braucht das Magazin aus dem Verlag Hubert Burda Media dringend neue Leser. Nur noch rund 580 000 Exemplare hatte der „Focus“ im vierten Quartal 2009 verkauft, was einem Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht.

Wenn Helmut Markwort ab Oktober vom Chefredakteur zum Herausgeber des „Focus“ wird und „Cicero“-Chefredakteur Wolfram Weimer zusammen mit Uli Baur die Doppelspitze des Magazins bildet, dürften mehr als ein paar „Kleinigkeiten“ zu tun bleiben. sop

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