Magazine : Dicke Sonderhefte zum Bundesliga-Auftakt

Mit Skurrilem und Rekordumfängen wollen die Bundesliga-Sonderhefte Fans auf die 50. Saison vorbereiten. Da fallen unvollständige Mannschaftsfotos kaum ins Gewicht.

Nico Schmidt
Wer kommt woher, wann spielt mein Team? Es geht wieder los mit der Fußball-Bundesliga.
Wer kommt woher, wann spielt mein Team? Es geht wieder los mit der Fußball-Bundesliga.Foto: Promo

Jetzt ist auch ihre Saison. Mit Beginn der Fußball-Bundesliga-Spielzeit am Freitag liegen sie am Kiosk: die Bundesliga-Sonderhefte. Welcher Münchner Stürmer in Riedlingen geboren wurde und seine Karriere beim SV Unlingen begann, oder an welchem Juni-Tag die meisten Erstliga-Profis geboren wurden, das lässt sich nachschlagen. Die Zeitschriften sind umfangreich wie nie zuvor. Allein das „Kicker“-Heft ist mit 282 Seiten das umfassendste seit seiner Einführung 1963 – man merkt, die Bundesliga wird 50.

Das Jubiläum steht im Mittelpunkt der Magazine. Es gibt reichlich historisches Bildmaterial, Reportagen und Erfahrungsberichte. Über die Liga-Gründung im Jahr 1962 schreibt Uli Hesse für die Themenausgabe der „11 Freunde“. „Und damit ging der Ärger los“, heißt es dort im Vorlauf. Milder klingen die Erinnerungen des SC-Freiburg-Trainers Christian Streich an sein Liga-Highlight im „Kicker“. Streich erzählt, wie er 1980 mit einem Fernfahrer aus dem Breisgau nach München fuhr, morgens den Lkw auslud und abends in der Südkurve des Olympiastadions stand. Da siegten die Bayern gegen Braunschweig und wurden Meister. Auch das eine skurrile Facette aus 50 Jahren Bundesliga. In der „Sport Bild“ erinnert sich die Redaktion an die besten Saisons der Vereine. Etwa die der Bremer 2004, als Werder „so verdient wie nie zuvor“ deutscher Meister wurde.

Wer kommt woher, wann spielt mein Team? Spätestens, wenn die großen Sonderhefte am Kiosk liegen, weiß jeder Fußballfan: Es geht wieder los mit der Fußball-Bundesliga. Dafür nimmt er manches unvollständige Mannschaftsfoto in Kauf. Fotos: Promo
Wer kommt woher, wann spielt mein Team? Spätestens, wenn die großen Sonderhefte am Kiosk liegen, weiß jeder Fußballfan: Es geht...

Zum Liga-Geburtstag erstmals am Kiosk liegt die Zeitschrift des Senders „Sport 1“ (Auflage: 400 000 Exemplare). Der ist bekannt für seinen Fußball-Talk „Doppelpass“. „Groß im Fokus steht bei uns als Zweitligasender neben der ersten auch die zweite Bundesliga“, sagt Alexander Rösner, Chefredakteur von „Sport 1“. Die Zeitschrift widmet jedem Zweitligisten vier Seiten. Die Konkurrenz räumt den unterklassigen Vereinen weniger Platz ein. Ansonsten bietet „Sport 1“ wenig Neues an. Lediglich die Zahl der zu Wort kommenden Experten ist verblüffend. 36 TV-Experten, ehemalige Spieler und Trainer dürfen über die Chancen der einzelnen Mannschaften befinden. Die kurzen Beiträge kratzen häufig nur an der Oberfläche. Wer analytischen Tiefgang sucht, wird hier enttäuscht. Es ist vor allem leichte Kost, die das „Sport 1“-Heft mit Rubriken wie „Verrückte Top Teams“ oder dem „Stadion Guide“ anbietet.

Etwas mehr Text hat die „Sport Bild“ (650 000 Exemplare). Umfangreiche Analysen sucht man vergebens. Stattdessen Altbekanntes: Jürgen Klopp mimt im Interview den emotionalen Taktik-Fuchs, und Franz Beckenbauer darf erzählen, was den Bayern fehlt: die Leidenschaft. Mit 5,50 Euro liegt die Zeitschrift auf dem Niveau der Konkurrenz von „Sport 1“ und „11 Freunde“. Nur der „Kicker“ ist mit 5,90 Euro minimal teurer. Eine Mehrinvestition, die sich lohnt.

Denn zwar hat der „Kicker“ (1, 2 Millionen Exemplare) sein Sonderheft-Layout in den vergangenen Jahren kaum geändert, dafür bietet er Jahr für Jahr die umfassendste Vorbereitung. Die Zeitschrift ist klar gegliedert. Im Statistik-Teil wird der Kader jedes Bundesliga-Vereins ausgiebig auf vier Seiten vorgestellt. Der 29 Seiten lange Historienteil anlässlich des Liga-Geburtstags sucht seinesgleichen.

Die „bewährte Mischung aus großen Reportagen, langen Interviews und jeder Menge gut abgehangenem Schüler-Humor“, verspricht „11 Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster (200 000 Exemplare). Tabelle und Statistiken sucht man hier vergebens. Denen messe man nur mittelgroßen Wert bei, sagt Köster. Inhaltlich bewegt sich die „11 Freunde“-Redaktion auf gewohntem Terrain. Da gibt es einen runden Tisch der kritischen Fankultur, Storys zu Geldproblemen bei der Frankfurter Eintracht und ein Porträt des Stehaufmännchens Patrick Helmes. Der schoss für den VfL Wolfsburg jüngst in zehn Spielen zehn Tore und kehrte so aus der Versenkung zurück. Das Stück endet mit einem entsprechend positiven Blick in Helmes’ Zukunft. Ärgerlich nur, dass sich der Stürmer Anfang August einen Kreuzbandriss zuzog und sechs Monate ausfällt.

Dieses Beispiel offenbart das Dilemma der Sonderhefte. Um wirtschaftlich rentabel zu sein, müssen die Verlage ihre Zeitschrift früh an den Kiosk bringen, dafür müssen sie auf Aktualität verzichten. Auf den Mannschaftsfotos fehlen Nationalspieler, Kaderlisten sind unvollständig. Unter diesen finden sich in den Sonderheften freie Zeilen – der Fan kann hier die Daten der Spieler eintragen, die nach Redaktionsschluss verpflichtet wurden. Übrigens, beim SV Unlingen spielte einst Bayern-Stürmer Mario Gomez.

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