Medien : Maigret meditiert

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Darf man heute noch KafkaHörspiele schreiben? Zumal, wenn es im Text um die unendlich komplizierte Beziehung des Dichters zu den Frauen geht? Wenn der legendäre „Brief an den Vater“ als letztes Zeugnis für die Ursachen der Kafkaschen Kreativität wie Lebensuntüchtigkeit genommen wird?

Man hat das ja alles gewissermaßen mit der geistigen Muttermilch eingesogen. Aber dann ist es doch vollkommen fesselnd, wie Matthias Baxmann in seinem eben preisgekrönten Hörspiel „Kein Brief heute, keiner gestern“ die alte Geschichte noch einmal aufrollt. Eine quasi musikalische Partitur, komponiert aus Brieffragmenten. Voll feiner logischer Konstruktionen. Das traurige Genie, die Elementargewalt des Vaters, die verbotene Frau. Und die Kunst als klitzekleines Mauseloch für einen, der mit Angst und Trotz zur bürgerlichen Lebensmitte aufschaut (Deutschlandfunk, 5. August, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Vielleicht hätte Kafka ja als Zen-Buddhist sein Glück gefunden. Die Macht des Vaters durch Meditation brechen, den inneren Sturm durch Versenkung in die leere Mitte der Welt überwinden. Wie der Zen-Buddhismus in den Westen kam, davon erzählt Margrit Irgang in ihrem Feature „Wenn du gehst, dann geh!“ .

Die Autorin berichtet vom abtrünnigen Mönch Senzaki, der im unruhigen Amerika zum ersten Boten einer neuen Zen-Religion wurde. Einer Religion, die keinen Gott mehr braucht, sondern die bewusstseinserweiternde Kraft logischer Paradoxe anbetet. Senzaki lehrte die Westler, dass Kirchen im Kopf gebaut werden und der wahrhaft Fromme vor den Rätseln der Welt andächtig verstummt. Eine neue Lebenskunst, die in jedem Büro und in jeder Vorstadtküche praktiziert werden konnte (SWR 2, 3. August, 18 Uhr 30, Kabel UKW 107,85 MHz).

Und dann ist da noch Kommissar Maigret. Auch Maigret nutzt ja Momente meditativer Trance für seine Arbeit. Beim langen, tiefen Blick in den Regen oder in ein Glas schäumendes Bier gewinnt der Pariser Kommissar endgültige Klarheit über Verbrecher und ihre Motive. Den ganzen August lang kann die geneigte Hörerschaft Maigret auf seinen Streifzügen durch die französische Halb- und Unterwelt begleiten. Dank einer neuen Radiofassung etlicher Simenonscher Romane (Radio 88.8, immer sonntags, 22 Uhr, UKW 88,8 MHz).

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