Mainzelmännchen im ZDF : Störfaktor Frau

Keine Missgunst, kein Neid, keine Schadenfreude: Seit fast 50 Jahren sind die ZDF-Mainzelmännchen eine reine Jungsrunde. Warum sich daran nichts ändern soll.

von und Nico Schmidt
Männerwirtschaft. Berti, Anton, Det und Fritzchen (v.l.n.r.) sind vier der sechs Mainzelmännchen, die im ZDF schon seit 50 Jahren ein Junggesellendasein führen. Dabei lässt ihr Auftreten durchaus auch auf weibliche Seiten schließen, wie eine Anzeige zeigt, die anlässlich des vierzigsten Geburtstags der Männerzeitschrift „Playboy“ gestaltet wurde. Fotos: ZDF, Leo Burnett
Männerwirtschaft. Berti, Anton, Det und Fritzchen (v.l.n.r.) sind vier der sechs Mainzelmännchen, die im ZDF schon seit 50 Jahren...

Das ZDF hat starke Frauen an vorderster Front. Maybrit Illner talkt zu aktuellen Themen, Marietta Slomka ordnet das Weltgeschehen im „heute-journal“ ein, Katrin Müller-Hohenstein erklärt den Sport und Carmen Nebel schunkelt die Freunde der Volksmusik zur guten Laune. Sie alle erreichen ein Millionenpublikum. Doch in einem Bereich ist und bleibt Frauen der Zutritt streng verboten: in der Runde der Mainzelmännchen.

Was die Comicfiguren angeht, ist das ZDF einfach stecken geblieben in den 60er Jahren, als Bundeskanzler Konrad Adenauer das Zweite als seinen Regierungssender etablieren wollte und dann nicht konnte. In der Frauen die Tür von außen zumachen mussten, nachdem sie den Männern in weißen Schürzchen den Kaffee serviert haben. In der eine Frau als Kanzlerin undenkbar war.

Seit 1963 leiten Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen die Werbeblöcke mit ihrem „Gud'n Aamd“ als Kreis fröhlicher Junggesellen ein – und daran soll sich auch heute, fast 50 Jahre später, nichts ändern. „Frauenquote brauchen wir keine. Der Markenkern sind die sechs Jungs“, saget der Chef des ZDF-Werbefernsehens, Hans-Joachim Strauch jetzt der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei hatte Grafiker Wolf Gerlach in seinen ersten Zeichnungen sechs weibliche Pendants zu Papier gebracht. „Die eine trug beispielsweise einen Pferdeschwanz“, erinnert sich Gerlach, 84, der die Mainzelmännchen fast 40 Jahre lang fürs ZDF gezeichnet hat. Brüste, Röcke oder Absatzschuhe hatten die Mainzelfrauen nicht. „Das passte irgendwie nicht“, sagt Gerlach. Das größere Problem aber war, „dass ich sehr schnell mit den Ideen am Ende gewesen bin, was lustige Geschichten für die Mainzelfrauchen anging“, so Gerlach.

Wenn sich ein Mainzelmännchen in den Kochtopf setzte oder auf einem Staubsauger durch die Gegend düste, sei das witzig gewesen. Aber eine Frau habe doch jeden Tag mit solchen Haushaltsgegenständen zu tun. „Darüber hätte dann doch niemand gelacht“, sagt Gerlach. So forsch, zu denken, dass Mainzelfrauen womöglich auch außerhalb des Haushalts tätig sein könnten, wollte – und konnte – offenbar niemand.

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