Medien : „Man kriegt sonst Ärger“

Warum die Iran-Korrespondentin der ARD ein Kopftuch trägt

Johanna Rüdiger

Ulrich Wickert warnte die Zuschauer der „Tagesthemen“ am Samstag schon einmal vor: „Im Iran müssen sich unsere Korrespondenten an die dortigen Gepflogenheiten halten, deshalb trägt unsere Korrespondentin Simone Schneppensiefen ein Kopftuch“. Im Studio in Teheran saß die Journalistin des Bayerischen Rundfunks (BR) in legerem braunem Kordhemd, aber mit einem großen dunklen Wollschal um den Kopf geschlungen. Zu sehen war nur ihr dunkelbrauner Haaransatz. Dieses Bild bekamen die ARD-Zuschauer am Wochenende immer wieder zu sehen, in der „Tagesschau“ und später beim ARD-Brennpunkt zum Erdbeben im Iran.

„Wenn ich das Kopftuch nicht getragen hätte, wäre das meine letzte Schalte gewesen“, erklärte Simone Schneppensiefen im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Das Studio ist ein öffentlicher Raum, und im Iran ist es Frauen streng verboten, sich ohne Kopfbedeckung zu zeigen“. Zwar versuche sie, nur mit dem Minimum auszukommen und den Schal so weit wie möglich nach hinten rutschen zu lassen. „Bei Live-Schalten bin ich aber vorsichtiger – wegen der vielen iranischen Techniker, die wir beschäftigen“, sagt die Korrespondentin. „Man kriegt sonst einfach Ärger“. Auch das iranische Fernsehen, mit dem die mit einem Iraner verheiratete Schneppensiefen zusammenarbeitet, sei derart staatstreu, dass jeder Gesetzesbruch sofort weitergegeben würde. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute hilfsbereiter sind, wenn sie sehen, dass ich einen langen Mantel und Kopfbedeckung trage.“ Und da alle Frauen im Iran so gekleidet sind, würde sich Schneppensiefen ohne Kopftuch „nackt“ fühlen, sagt sie.

Spezielle Regeln gibt es für die Korrespondentinnen der ARD nicht. „Es war ihre eigene Entscheidung, mit Kopftuch in der Schalte aufzutreten“, sagt BR-Sprecher Rudi Köffer.

Simone Schneppensiefen, eigentlich Mitarbeiterin der bayerischen Regionalsendung „Rundschau“, sei vor allem wegen ihres iranischen Passes in das Land geschickt worden. „So gab es keine Visa-Probleme.“ Schneppensiefen kann die Aufregung, die ihr Kopftuch auslöst, nicht so ganz verstehen, denn schon während des Irak-Krieges war sie so bedeckt in der ARD zu sehen. Sie hofft, bald wieder zu Hause zu sein: „Für Silvester hatte ich eigentlich andere Pläne.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben