Medien : Man stirbt nur zweimal

Das Erste variiert die Figur des Schmuddel-Ermittlers – mit Pierre Besson und Ursula Karven

Tilmann P. Gangloff

Da staunt sie nicht schlecht, die Restauratorin Stella, als plötzlich der Gatte tot vor ihrer Hamburger Haustür liegt. Die Überraschung ist weitaus größer als das Entsetzen, weil sie ihn längst verblichen wähnte, verbrannt vor Jahresfrist bei einem Autounfall. Nun ist er also endgültig tot, und damit wäre die Sache ja auch erledigt, gäbe es da nicht einen Privatdetektiv mit dem sinnigen Namen Klever. Zunächst stellt er sich zwar alles andere als smart an, doch alsbald fördert er einige Ungereimtheiten zu Tage: Der vermeintlich Verstorbene führte ein Doppelleben und hat als Pharmavertreter in Lübeck allerlei ungesunde Mittelchen unters Volk gebracht. Außerdem gibt es eine zweite Witwe, deren Trauer sich jedoch gleichfalls in Grenzen hält.

„Tote leben länger“ ist ein kniffliger Krimi, in dem Pierre Besson die Akzente setzt. Sein Eddy Klever ist fast schon eine Hommage an die Helden von Raymond Chandler (Drehbuch: Christos Yiannopoulos): zerknittert, auch mal ungewaschen, typisch Schmuddel-Ermittler, einem Schluck aus der Pulle nie abgeneigt und trotz des traurigen Wolf-Biermann-Barts mit Schlag bei den Frauen; den Reizen der schönen Witwe erliegt er sofort. „Ernst-Busch“-Schauspielschüler Pierre Besson („Das Bernsteinamulett“), der immer wieder durch seine Wandlungsfähigkeit überrascht, spielt das überaus unterhaltsam.

An seiner Seite: Ursula Karven, in den vergangenen Jahren vor allem durch den tragischen Unfalltod ihres vierjährigen Sohnes ins Gespräch gekommen und inzwischen mit ihrem Mann von Kalifornien nach Mallorca übergesiedelt. Sie hat länger nicht in Europa gearbeitet. Hier spielt die Karven die verdatterte Hinterbliebene Stella, eine etwas undankbarere Rolle, zumal sie Klevers Ermittlungen eher bremst als beschleunigt.

Regisseur Manfred Stelzer, im Krimi ebenso daheim wie in der Komödie,konzentriert sich in erster Linie auf die Darsteller. „Es ist schon ein Fernsehspiel, das mehrere Genres bedient. Es hat eine bestimmte Stimmung, die Kälte und die Eleganz machen auch das Zeitlose aus. Das hat etwas Verlorenes“, sagt der Regisseur. Nur ein Mal wird „Tote leben länger“ vorübergehend doch zum Thriller, als Stella vor einem der Ganoven flieht und dabei zufällig über die Leiche ihrer Leidensgenossin stolpert.

Am Ende ist der Drahtzieher eine unsympathische Gestalt, die schon die ganze Zeit durch die Geschichte schleicht. Das ist zwar dennoch verblüffend, aber auch eher unlogisch: Mit einer Klärung etwa der Motive oder der konkreten Beteiligung halten sich Regisseur Stelzer und Autor Yiannopoulos gar nicht auf. Kaum komisch ist auch ein Seitenstrang mit Stellas lästiger Mutter (Carola Regnier), die am Ende aber immerhin lebensrettend aufklären kann, was der tote Gatte überhaupt in Hamburg wollte.

„Tote leben länger“, ARD, 20 Uhr 15

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