Medien : Manchester United: "Not for sale"

Peter Münder

Ob Baseball, Basketball, Eishockey, Fußball oder American Football: Medienmogul Rupert Murdoch hat sich für seine TV-Sender stets die Übertragungsrechte hochkarätiger Sportarten gesichert. Und nicht nur die Senderechte, sondern auch Sportvereine selbst, um mit deren Hilfe die Programmierung der Übertragungen zu beeinflussen. Was in den USA der Kauf des Baseball-Clubs Los Angeles Dodgers war, sollte in England der Erwerb des Fußball-Vereins Manchester United sein. Mit der Übernahme des Top-Vereins wollte er weitere Abonnenten für seinen britischen Pay-TV Sender BSkyB (acht Millionen Abos) ködern. Es war daher für Insider keine Überraschung, als Murdoch am 9. September 1998 ankündigte, Manchester United ein Übernahmeangebot zu machen. Für 623,4 Millionen Pfund (rund 1,8 Milliarden Mark) wollte er den Top-Verein, der 1991 an die Börse gegangen war, aufkaufen. Die Fans waren entsetzt: Die Profitgier von Murdoch, aber auch der Vereinsbosse, würde über den Sportsgeist triumphieren, befürchteten sie. Wie die United-Fans (weltweit rund 100 Millionen) es fertigbrachten, eine Kampagne gegen die BSkyB-Offerte in Gang zu setzen, die Medien und einflussreiche Fußballfreunde gegen "Ruthless Rupert" zu mobilieren, das beschreiben Adam Brown und Andie Walsh, die beiden Initiatoren der Abwehrschlacht, in ihrem spannenden Buch "Not for Sale" (Mainstream Publishing, 191 Seiten, 9.99 Pfund).

Die in über 200 Filalen in 24 Ländern organisierten Fans hatten schnell Gefallen an einem idealen Feindbild gefunden, das ihnen der Tycoon lieferte. Hatte Murdoch sich nicht bei anderen Vereinen in sportliche Belange eingemischt? Gab es nicht täglich neue Gerüchte über lukrative Mauscheleien zwischen BSkyB-Offiziellen und den Vereins-Managern? Die Fans hatten es satt, bei den Eintrittspreisen immer dreister zur Kasse gebeten zu werden, während sich die Vereinsdirektoren mehr Privilegien zuschanzten und der Verein hohe Gewinne (zuletzt 60 Millionen Mark bei 250 Millionen Mark Umsatz) machte. Nach dem ersten Schock über Murdochs Offerte wuchs die Erkenntnis, dass man nur mit einer starken Lobby und harten Fakten gegen die Medien-Krake Murdoch siegen konnte. Wie Generäle arbeiteten Brown und Walsh eine Strategie aus. Dazu gehörte auch, innerhalb von drei Tagen 20 000 Exemplare eines Schwarzbuchs zu veröffentlichen, das Murdochs Pleiten, Pannen und medienpolitische Verfehlungen enthielt. "Murdoch mag zwar die USA und den Rest der Welt untergebuttert haben, aber Manchester United zwingt er nicht in die Knie" - der Slogan wurde zur Realität. Am 9. April 1999 hatte man die Mehrheit von Kartellwächtern, Politikern, 15 000 Kleinaktionären und Funktionären gegen Murdoch und sein Übernahmeangebot gewinnen können.

"Not for Sale" mag zwar keine Patentlösung für die Abwehr ähnlicher Übernahmeversuche bieten. Die Chronik bietet aber einen kritischen Blick hinter die Kulissen der kungelnden Lobbyisten und Profiteure. Und zeigt eindrucksvoll, wie der einfache Fan aus der Nordkurve gegen die selbstgefälligen Bosse aus der Loge etwas ausrichten kann.

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