Medien : Marc Conrad muss RTL zum Erfolg bringen

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Wenn Marc Conrad am kommenden Dienstag durch die Kölner RTLBüros an der Aachener Straße läuft, wird er viele bekannte Gesichter treffen. Der neue RTL-Geschäftsführer, der die Nachfolge von Gerhard Zeiler antritt, stand bis 1998 beim Privatsender selbst in Lohn und Brot. Der Luxemburger war in der Ära von Helmut Thoma als Programmdirektor für sämtliche Sendungen und Formate außerhalb des Bereichs Information zuständig. Jetzt trägt der 44-jährige Manager die Gesamtverantwortung. Sein Erfahrungsschatz aus Erfolgen und Rückschlägen, damals als RTL-Mann und seitdem als freier Produzent, macht ihn wertvoll, lässt aber auch die Erwartungen ungemein steigen.

Conrad hat sich vor dem Neueinstieg Redeverbot erteilt. „Ich habe jetzt fünf Jahre meine eigenen Filme und Serien produziert“, sagt er. „Es ist albern, gescheit daher zu reden, bevor ich nicht mit den RTL-Mitarbeitern über ihre Pläne und Ziele gesprochen habe.“ Der Zeitpunkt für den Wiedereinstieg Conrads bei RTL ist günstig – und er ist es auch wieder nicht. RTL, jahrelang der strahlende Marktführer im deutschen Fernsehen, hat diese Position an die ARD abgeben müssen. Da kann Conrad relativ schnell punkten, wenn ihm das Schwierigste gelingt: ein erfolgreiches Programm mit erneuerter Filmproduktion, neuen Serien, neuen Formaten bei Comedy und Show, mit mehr Sport als Formel 1 und Skispringen. RTL lebt aus der Substanz, es lebt von Günther Jauch und von stabilen News-Quoten.

Nicht, dass sich RTL Sorgen machen muss. Conrads Vorgänger Zeiler, künftig Vorstandschef der RTL Group, hat den Sender 2003 mit einem Gewinn von 261 Millionen Euro gut durch die Werbekrise gebracht. Und die private Konkurrenz von Pro 7 und Sat 1 ist, anders als die zunehmend erfolgreichen „Kleinen“ wie RTL 2 und Vox, von den RTL-Quoten weit entfernt. Darum können Roger Schawinski, seit Ende 2003 Sat-1-Geschäftsführer, und der neue Pro-7-Chef Dejan Jocic nur bedingt Vorbilder für Marc Conrad sein. jbh

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