Medien : Maria und Matthias

Der Fernsehpreis: Überraschungen und Langeweile

Joachim Huber

Der Marktführer im deutschen Fernsehen ist auch der „Preishammer“. Die ARD konnte beim „Deutschen Fernsehpreis 2007“ die Senderwertung klar für sich entscheiden. Von 23 vergebenen Pokalen konnte das Erste zehn gewinnen, das ZDF fünf, dann erst kam die private Konkurrenz: ProSieben (4), RTL (2), Vox (1) und Sat 1 (1). Wenn sich die Qualität von Fernsehsendungen im „Deutschen Fernsehpreis“, der von ARD, ZDF, RTL und Sat1 ausgerichtet wird, ausdrückt, dann stehen die öffentlich-rechtlichen Sender deutlicher für Qualität als die privaten.

Die Jury hat das „Blockbuster“-Fernseher weniger im Auge gehabt. Also gewann Maria Furtwängler nicht für den ARD-Zweiteiler „Die Flucht“ in der Kategorie „Beste Schauspielerin“, sondern für ihre „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm; also gewann „Die Flucht“ auch nicht als „Bester Fernsehfilm/Mehrteiler“, sondern „Rose“ mit Corinna Harfouch in der Hauptrolle, eine mehr introvertierte ARD-Produktion denn Breitwand-Fernsehen. Und es bedarf schon des genauen Juroren-Blicks, um Matthias Koeberlin für den ProSieben-Film „Tornado – Der Zorn des Himmels“ als „Besten Schauspieler“ einer TV-Saison zu erkennen. Die Entscheidung und der Name waren derart überraschend, dass Koeberlin bei der After-Show-Party im Kölner Coloneum von den Fotografen konsequent übersehen wurde, bis ihn Maria Furtwängler an ihren Tisch bat. Ist Koeberlin, der Mann mit dem blassen Teint und dem flaumartig wirkenden Schnauzer, zu bescheiden für das Geschäft? „Es gibt zu viele, die dies nicht sind“, sagte er.

Übersehen wurde „Die Flucht“ nicht. In drei Kategorien gab es Preise, darunter konnte Gabriela Maria Schmeide als beste Schauspielerin in einer Nebenrolle eine Plexiglas-Trophäe abholen. Im Übrigen wird es nicht verwundern, dass die Öffentlich-Rechtlichen die Preislage für Information – Dokumentation „Im Schatten der Blutrache“ sowie Reinhold Beckmann als führender Moderator Information – dominierten, wenngleich „RTL Aktuell“ als „beste Informationssendung“ honoriert wurde. Ist sie das? Besser als „Tagesschau“ oder „heute-journal“? Klar ist, dass die RTL-News sich hinter den Konkurrenten nicht verstecken muss – schon gar nicht bei der Akzeptanz.

Einer, der an der Preis-Reihe war, hat auch gewonnen: Ralf Husmann für seine Bücher zu „Dr. Psycho“ und „Stromberg“ (beide ProSieben). „Stromberg“ mit Christoph Maria Herbst reüssierte zudem als „Beste Sitcom“. Für die im täglichen Programm von ARD und ZDF schier unauffindbare Wort-Unterhaltung ist es eine Ermutigung, dass das neue Kabarett-Format „Neues aus der Anstalt“ im Zweiten den Comedy-Preis gewinnen konnte.

Bei den Preiskategorien und den Juryentscheidungen spielt es durchaus eine Rolle, welcher der vier Sender mit der Ausrichtung und Finanzierung an der Reihe ist. Bei der neunten Ausgabe war es RTL. In der etwas ulkigen Kategorie „Freie Personenkategorie: Coaching“ wurde die RTL-„Super Nanny“ Katharina Saalfrank auserkoren, das sieht nach Trostpreis aus. Und Trost kann RTL brauchen: Die Einschaltquote war mit 3,43 Millionen schwach, ebenso die Moderation des unauffälligen Marco Schreyl. Mit der Preisverleihung wurde nicht bestes Fernsehen geboten; nicht ein Showact war dabei, die Idee, möglichst viele Komiker als Laudatoren zu engagieren, fand ihren fragwürdigen Höhepunkt bei Kurt Krömer, der mehr mit dem – sicherlich superkomisch gemeinten – Zumachen seiner Hose beschäftigt war als mit einer krachenden Pointe.

Zum Finale der mehrstündigen wie endenwollenden Veranstaltung wurde der Schauspieler Götz George mit dem 24. Fernsehpreis dieses Abends, mit einem Ehrenpreis für sein Lebenswerk gewürdigt. Götz fand die passenden Schlussworte: „Ich habe Durst und Hunger. Wir müssen das jetzt schnell zu Ende bringen.“ Joachim Huber

Alle Preisträger unter www.deutscherfernsehpreis.de

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