Medien : Maria von Welser: Mit ihr nicht mehr

M.B.

Unternehmensreformen mögen brutal sein und von der Öffentlichkeit unbeachtet geschehen. Nur ist das Fernsehen ein Publikumsmedium, also betreffen Personalentscheidungen die Zuschauer, und die lieben Maria von Welser. Zahlreiche Preise künden davon. Wenn die Chefredaktion ihr im Zuge einer Programmreform die Sendung ersatzlos streicht, obwohl sie dem Hause akzeptable Quoten bescherte und sie vor vollendete Tatsachen stellt, indem man ihr abrupt den Korrespondentenposten in London anträgt, dann ist diese Verfahrensweise nur lausig zu nennen. Maria von Welser, deren Verbrauchermagazin "Mit mir nicht" nach drei erfolgreichen Jahren heute das letzte Mal zu sehen ist (ZDF, 22 Uhr 45), hat einiges im deutschen Fernsehen bewegt. Ihr Frauenmagazin "Mona Lisa" hat tief ins Bürgertum gewirkt zu einer Zeit, als der radikale Feminismus noch von der Revolution träumte. Ihr Weggang, den viele bedauert haben, hatte wiederum ein Novum zur Folge: "Mit mir nicht" war eine Art Talkshow, in der nicht folgenlos getalkt wurde. Auf die typische Welsersche Art - elegant, unaufdringlich, aber beharrlich - wurden dort strittige Verbraucherfragen gelöst, an denen sich bereits manches Gericht die Zähne ausgebissen hatte. Fernsehen fungierte zu einer guten Sendezeit als Dienstleister. Ein Dienst, den die Zuschauer zu Zehntausenden in Anspruch nehmen wollten. Interaktiv zu wirken aber - das mag sein - steht einem Medium entgegen, das ursprünglich starr vom Katheder aus dozierte. Das wirkt nach. "Mit mir nicht" weicht zwei neuen Magazinen, die uns politisch-zeitkritisch die Welt erklären wollen. Wir werden erfahren, was Moderatoren, in deren Riege der Zuschauer Maria von Welser sicher gerne gesehen hätte, über die Welt denken, aber mitreden, jemanden die Meinung sagen, können wir nicht mehr. Dafür, dass Maria von Welser dies sehr ernsthaft, völlig anders als in den Brüll-Shows der Privaten, möglich gemacht hat, danken wir ihr. Und bei Lichte besehen: London ist ein Top-Job, der ihr auf den Leib geschneidert scheint. Auf ihre Berichte über die britische Leitkultur freuen wir uns schon heute.

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