Medien : Mark oder Martin? Dieter Bohlen!

Auch nach der vierten Staffel von „DSDS“ ist der „Modern Talker“ der einzig wahre Gewinner

Yoko Rückerl

Es ist so weit: RTL feiert heute Abend das Finale der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Ab 20 Uhr 15 kämpfen die Finalisten Mark Medlock und Martin Stosch auf der Bühne um den „DSDS“- Sieg und einen Plattenvertrag bei Sony BMG. Von Superstars aber fehlt jede Spur. Es ist bereits die vierte Staffel der Pop-Show, und im Finale stehen wieder zwei, die vermutlich keine große Musikerkarriere vor sich haben.

Der 16-jährige Martin Stosch wäre ohnehin längst wieder in seiner bayerischen Heimat Postau, er flog nach der siebten „DSDS“-Mottoshow raus. Dann verkündete Max Buskohl, neben Francisca Urio für viele das einzige Talent der Show, seinen Rücktritt – und Martin Stosch durfte nachrücken. Dabei ist seine Stimme mittlerer Durchschnitt, und oft hätte man ihn sich gerne mal gepackt und ordentlich wachgeschüttelt, so langweilig kommt er daher. Er ist der brave Schwiegermutti- Traum, der niemandem wehtut, und der mit seinen himmelblauen Augen zehnjährige Mädchen dazu bringen kann, ihr Taschengeld zu vertelefonieren. Martin Stosch hat gute Chancen zu gewinnen, und verantwortlich dafür wäre die Generation Handy.

Dieter Bohlens Liebling Mark Medlock mag zwar durch seine überdrehte Art mitunter nerven, doch der 28-Jährige aus Offenbach bringt Charisma und laut Bohlen „die geilste Stimme“ mit. Mit dem „Poptitan“ im Rücken gilt Medlock als Favorit. Zudem erzeugt die Lebensgeschichte des arbeitslosen Altenpflegers Mitleid. RTL zeigte Medlock in den letzten Wochen immer wieder am Grab der früh verstorbenen Eltern, und Bohlen wurde nicht müde zu erwähnen, dass der verschuldete „DSDS“-Kandidat vor dem Nichts stünde, falls er rausgewählt würde.

Man wünscht Medlock Erfolg und ahnt doch, dass auch er nach Lage der Dinge nur verheizt werden wird. Denn bei einem Blick zurück auf die vergangenen drei Staffeln wird klar, dass RTL das Versprechen, dass der Sieger ein „Superstar“ werde, bisher noch nicht eingelöst hat. Wer weiß schon, was vergangene „DSDS“-Gewinner wie Alexander Klaws, Elli Erl oder Tobias Regener heute tun? Dass es auch anders geht, zeigt Jennifer Hudson, die 2004 bei „American Idol“ ins Halbfinale kam, dann Karriere machte und gerade einen „Oscar“ für ihre Nebenrolle in dem Hollywood-Film „Dreamgirls“ gewann.

Niemand kann jungen Menschen einen Vorwurf machen, wenn sie die Chance ergreifen, durch eine Fernsehshow als Sänger einem Millionenpublikum möglichst schnell bekannt zu werden. Doch es ist eine Illusion, die ihnen vorgegaukelt wird. Niemand wird binnen weniger Wochen zum Superstar. Musiker mit Weltkarrieren wie Eminem, Beyoncé oder Kylie Minogue feilen und feilen an ihrem Erfolg. Richtige Stars sind auch nach Jahren noch kleine Rätsel und große Diven. Stars müssen gar nicht immer die größten Stimmen haben, bestes Beispiel ist Jennifer Lopez. Aber sie haben eine Aura.

Von den „DSDS“-Kandidaten weiß der Zuschauer, mit welchem Gemüse sie ihre Grippe bekämpfen oder was für Hässlichkeiten sie sich im Streit per Kurzmitteilung auf ihr Handy schicken. Von der Jungfräulichkeit eines Teilnehmers bis hin zur Homosexualität wird alles medial ausgeschlachtet, was die Kandidaten hergeben. Aus „Deutschland sucht den Superstar“ wurde längst „Deutschland sucht die Superquote“, die Fernsehinszenierung. Bohlen beschimpft Kandidaten, er streitet mit Jury-Mitglied Heinz Henn – und bekommt Schlagzeilen und Quote. Die Devise lautet: Je mehr Bohlen, desto mehr schalten ein.

Die „DSDS“- Quote ist noch immer hoch. Die erste Staffel mit Alexander Klaws und Juliette Schoppmann sahen sensationelle 8,09 Millionen Zuschauer im Schnitt. Das war ein Marktanteil von 38,2 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Heute liegt der Marktanteil noch immer bei 29,7 Prozent. Die Mottoshow am vergangenen Samstag verfolgten 4,27 Millionen Zuschauer. Konkurrenz könnte die Casting-Show von RTL-Intimfeind Stefan Raab bekommen. Der plant eine eigene Pro-7-Musikshow und sucht einen Superstar, der das singen soll, was er möchte.

„Es wird eine fünfte Staffel geben“, sagte RTL-Sprecherin Mandy Ballerstedt. Spätestens, wenn die startet, ist der Sieger von heute wahrscheinlich uninteressant. Trotzdem werden sich wieder zehntausende Jugendliche bewerben, mit eisernem Willen und dem Glauben, dass er sich erfüllt, der Traum, ein Superstar zu sein.

„Deutschland sucht den Superstar“, RTL, 20 Uhr 15

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