Matt-Groening-Biografie : Der Kauz mit dem gelben Daumen

Mit der ersten deutschsprachigen Biografie über Simpsons-Schöpfer Matt Groening ist Autor Jeff Lenburg ein faktenreicher und kurzweiliger Überblick über das Leben des Comic-Zeichners gelungen.

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Sieh’s mal gelb. Matt Groening scherzt mit Homer Jay Simpson, der durch Ignoranz, Faulheit und Egoismus auffällt, aber auch wenige geniale Momente hat.
Sieh’s mal gelb. Matt Groening scherzt mit Homer Jay Simpson, der durch Ignoranz, Faulheit und Egoismus auffällt, aber auch wenige...Foto: AFP

Während scheintalentierte Popsternchen oder Fußball-Jungstars spätestens mit 18 Jahren ihre erste eigene Biografie in den Buchläden stehen haben, gab es über den Schöpfer eines der größten popkulturellen Phänomene der letzten 30 Jahre bislang keine Publikation. Nun ist mit „Matt Groening – Der Gott der Simpsons“ zum ersten Mal eine deutschsprachige Biografie über den 62-jährigen Comic- und Animationskünstler erschienen.

Dass man Groening mit der Reduzierung auf die Vaterschaft der Simpsons nicht gerecht wird, zeigt bereits das Titelbild, auf dem der Zeichner nicht etwa eine Bart-Puppe, sondern eine signierte Bender-Figur in der Hand hält – der Rüpel-Roboter aus der Zeichentrick-Serie „Futurama“. Viel Raum in der Biografie nimmt zudem Groenings brillanter aber hierzulande fast unbekannter Comic-Strip „Life In Hell“ ein, mit dem der Zeichner lange vor den Simpsons einen Bestseller landete.

Ein tagträumender Außenseiter

Autor Jeff Lenburg zeichnet von Groening das Bild eines tagträumerischen Außenseiters, der dem Alltag seit frühester Kindheit mit (Galgen-)Humor und Kreativität trotzte: Geboren wurde „Matt“, wie Lenburg ihn das ganze Buch hindurch nennt, 1954 im liberalen Portland als Kind eines deutschstämmigen Vaters und einer norwegischen Mutter – damit entstamme er „zwei der humorlosesten Volksgruppen der Welt“, scherzte Groening einmal. Von Anfang an war er ständig von Comics, Zeitschriften und „zu viel Fernsehen“ umgeben, und verschlang auf diesem Wege alle klassischen Zeichentrickserien von Donald Duck bis Popeye. Hauptinspiration für die Simpsons war allerdings die Realfilm-Sitcom „The Adventures Of Ozzie And Harriet“.

Sein Vater, der selbst Cartoonzeichner und Filmemacher war, hielt Matt und seine Geschwister früh zu Kreativität an, indem er ihnen keine Geschichten vorlas, sondern Anfangsszenen von Geschichten zeichnete, die diese fortspinnen sollten. In der Schule trieb der junge Groening seine Lehrer regelmäßig mit seinen Kritzeleien, Witzen, mit lautem Pfeifen und Miauen in den Wahnsinn; vieles, was er später in seiner Figur Bart verarbeiten sollte.

Wie so viele andere versuchte Groening ab 1977 in Los Angeles Fuß zu fassen, der Ort, wo man als Autor „am meisten Kohle für die wenigste Arbeit bekam“, so Groening. Stattdessen musste er sich vor allem mit miserablen Jobs, einem Kakerlaken-verseuchten Hollywood-Apartment, ständig kaputten Autos und unglücklichen Liebesbeziehungen herumplagen. Groenings alltäglicher Kampf mit dem Wahnsinn von L.A. bildete schließlich die Grundlage für den Comic-Strip, der ihn berühmt machen sollte: „Life In Hell“. Überaus launig und treffsicher tat er fortan in mehreren lokalen Magazinen seine Beobachtungen über die Arbeitswelt, Beziehungsstress und andere zwischenmenschliche Verwerfungen kund und traf damit einen Nerv. „Life In Hell“ inspirierte eine ganze Reihe alternativer Underground-Comics.

Produzent James L. Brooks wurde auf das junge Talent aufmerksam und fragte ihn 1985, ob er nicht eine kleine Zeichentrickserie für die neue „Tracey Ullman Show“ machen wolle? Erst kurz vor dem Gespräch mit Brooks wurde Groening klar, dass er „Life In Hell“ dafür nicht hergeben wollte und kritzelte stattdessen in 15 Minuten ein paar krude Figuren auf Papier – die Simpsons. Die kurzen Trickfilm-Szenen kamen gut an, und so ging der Sender Fox 1989 das Wagnis ein, mit „The Simpsons“ eine Zeichentrick-Serie ins Vorabend-Programm zu nehmen.

Gigantische weltweite Fan-Gemeinde

Der Rest ist Geschichte: Mit 28 Staffeln und über 650 Episoden sind die Simpsons die am längsten laufende US-Serie überhaupt, dank seines subversiven, satirischen Witzes und seiner unvergesslichen Charaktere besitzt die Serie bis heute eine gigantische, weltweite Fangemeinde.

Jeff Lenburg, der bereits Biografien über Walt Disney oder Hayao Miyazaki veröffentlicht hat, liefert einen faktenreichen und kurzweiligen Überblick über Groenings Leben, mehr jedoch auch nicht. Was dem Buch fehlt, ist die Analyse der popkulturellen Bedeutung der Simpsons und ihres Einflusses auf die Fernsehlandschaft („Southpark“, „Family Guy“), ihre Rezeptionsgeschichte sowie eine stärkere Einordnung von Matt Groenings Stellenwert im Bereich Comics und Animation. Erik Wenk

- Jeff Lenburg: Matt Groening – Der Gott der Simpsons. Aus dem Englischen von Christina Schmutz und Frithwin Wagner-Lippok. Klett-Cotta Tropen, Stuttgart 2016, 176 S., 16,95 Euro, broschiert

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