Matthias Fornhoff, "heute"-Moderator : "Mit 1,82 Meter passe ich perfekt"

Gestern Korrespondent, jetzt "heute"-Moderator: Ein Gespräch mit Matthias Fornoff über Revolutionen, junge vs. alte Nachrichten und Thilo Sarrazin.

Herr Fornoff, warum zieht es Sie, den Weltbürger, ins kleine Mainz?

In Ihrer Frage steckt die Annahme, dass es in der weiten Welt immer viel toller ist, als zuhause. Dass es in Washington oder in Berlin toller ist als im kleineren Mainz. So sehe ich das nicht. Ich freue mich, nach Deutschland zurück zu kommen. Hier ist meine Heimat, hier lebe ich gern. Die Jahre in Washington waren großartig, ich bin dankbar dafür. Es waren Wanderjahre, mit Reisen und Berichten aus den USA, auch aus Mexiko, Mittelamerika und Haiti. Als Peter Frey, der Chefredakteur des ZDF, mich anrief und fragte, ob ich die 19 Uhr „heute“-Sendung moderieren wolle, war ich überrascht. Ich musste erst mal drüber nachdenken.

Sie mussten nachdenken? Worüber denn?

Ich habe noch keine Sendung moderiert, das ist etwas Neues für mich. Trotz meiner Live-Erfahrung als Reporter vor der Kamera in Berlin, Brandenburg und Washington. Nach einem Moderations-Test war die Sache schnell klar: Das will ich machen.

Aber all die spannenden Länder und die spannenden Geschichten, die da draußen auf Sie warten!

Die spannenden Geschichten werden Sie weiterhin in der „heute“-Sendung sehen – und ich werde sie anmoderieren, einordnen, erklären. Ich habe in Mainz studiert und als Chef vom Dienst auf dem Lerchenberg gearbeitet. Ich weiß, worauf ich mich einlasse. Und glauben Sie mir, Mainz hat auch sehr schöne Seiten. Kommen Sie doch mal vorbei auf einen guten Wein oder ein Bundesliga-Spiel!

Und was bringen Sie uns Schönes aus Amerika mit?

Die Erfahrung, dass das amerikanische Fernsehen, wenn es um Informationssendungen geht, bei uns überschätzt wird. Ich werde oft gefragt, was wir vom amerikanischen Fernsehen lernen können. Da kann ich nur sagen: weniger, als viele glauben! In den US-Nachrichten geht es fast nur ums eigene Land. Amerika kreist viel um sich selbst. Das ist in unseren Informationssendungen anders und besser.

Gar nichts Gutes aus Amerika?

Doch. In Amerika werden positive Geschichten auch positiv erzählt. Der bemüht kritische Unterton, den wir in Deutschland pflegen, fehlt da. Das ist manchmal wohltuend. Natürlich müssen wir als Journalisten alles hinterfragen. Aber wir sollten auch positive Geschichten erzählen. Die Amerikaner machen das in ihren Nachrichten. Da gibt es zum Beispiel Geschichten über „Helden des Alltags“: Menschen, die anderen helfen, selbstlos. So etwas könnte ich mir auch bei „heute“ vorstellen.

Sie haben einiges vor.

Ich gehe nicht zu „heute“, damit alles so bleibt, wie es immer war. Ich möchte auch Dinge anstoßen und verändern.

Was zum Beispiel?

Noch ein Beispiel aus Amerika: Der Sender NBC hat in den Nachrichten neulich eine Woche lang jeden Tag eine personalisierte Geschichte aus Indien erzählt. Ohne aktuellen Anlass. Das war ein Akzent, ein Farbtupfer. Es war überraschend und es fiel auf.

Eine gute Idee.

Sie werden verstehen, dass wir skeptisch bleiben. Das ZDF ist nicht gerade für Revolutionen bekannt.

Wenn Sie ein Format wollen, das mehr bietet als das bloße Verlesen von Nachrichten, dann gibt es viele Möglichkeiten. Außerdem hat sich beim ZDF und speziell bei den Nachrichten in letzter Zeit sehr viel getan. Denken Sie an unser virtuelles Nachrichtenstudio. Wir waren damit die Ersten auf dem Markt. Das war schon mutig. Eine kleine Revolution.

Sie wissen, dass Sie es bei den ZDF-Zuschauern vor allem mit der so genannten „Kukident-Generation“ zu tun haben werden?

„Kukident-Generation“ klingt zynisch. Ja, unsere Zuschauer sind im Schnitt über 60. Aber wir senden für alle. Auch für die Jüngeren. Keiner darf sich ausgeschlossen fühlen, dafür müssen wir alles tun. Unsere Sprache muss einfach, klar und direkt sein, sie darf keinen Hürden aufbauen in Form von Fremdworten und Satzmonstern. Sprache ist auch Service für den Zuschauer.

Gibt es „junge“ Nachrichten und „alte“ Nachrichten?

Es ist eine Tatsache, dass sich das Verständnis davon, was Nachrichten eigentlich sind, verändert hat. Viele Zuschauer unter 25 setzen Boulevard mit seriösen Nachrichten gleich. Aber auch diese Zuschauer können wir erreichen. Wir dürfen sie nur nicht verloren geben.

Ist die Personalie Fornoff das Signal an uns Zuschauer, Leute, aufgepasst, es wird sich demnächst was ändern?

Ich glaube schon, dass meine Berufung auch ein Ausdruck dafür ist, wie wichtig die „heute“-Sendung fürs ZDF ist. Es geht um Profil. Ja, auch um Veränderung.

Waren Ihre grauen Haare Einstellungsbedingung?

Wohl kaum. Aber ich bin 1,82 Meter groß. Damit passe ich perfekt an den Moderationstisch im Studio. Die Techniker waren begeistert, weil sie den Boden weder anheben noch absenken müssen.

Die „Tagesschau“ wäre nichts für Sie?

Nein. Weil dort meine Rolle auf die des Vorlesers beschränkt wäre.

Dass im „heute-journal“, bei „heute“, bei den „Tagesthemen“ immer wieder Washington-Korrespondenten eingesetzt werden – denken Sie an Claus Kleber oder Tom Buhrow – ist sicher kein Zufall.

Die bringen eine Glaubwürdigkeit mit. Man nimmt ihnen ab, dass sie etwas von der Welt gesehen haben und von vielen Themen etwas verstehen. Ich hoffe, dass das bei mir auch so sein wird.

Wird man gelassener, wenn man schon etwas von der Welt gesehen hat?

Man hat auf jeden Fall einen anderen Blick auf die Dinge und kann vergleichen. Wenn ich sehe, wie hier gerade über Thilo Sarrazin diskutiert wird, dann habe ich schon den Eindruck, dass etwas weniger Aufgeregtheit souveräner wäre.

Wären Sie nicht lieber Nachfolger von Steffen Seibert im „heute-journal“ geworden?

Ich werde künftig im Wechsel mit Petra Gerster unsere Hauptnachrichtensendung um 19 Uhr moderieren. Das ist eine Super-Herausforderung. Das ist das, was ich jetzt tun möchte.

Hauptmoderator klingt nach viel Arbeit. Im Gegensatz zum schönen Korrespondentendasein.

Was das schöne Korrespondentenleben angeht, da sind Sie schwer auf dem Holzweg. Die Zeiten, in denen Sie drei Wochen für eine Reportage unterwegs waren und dann drei Wochen im Studio gemütlich schneiden konnten sind schon lange vorbei. Heute ist der Korrespondenten Job Teil der aktuellen Tretmühle. Der Output steigt ständig weiter.

Gehen Sie freiwillig in die Anstalt, weil Ihnen das Korrespondentenleben zu hart wurde?

Sicher nicht. Vor harter Arbeit laufe ich nicht weg. Was mich reizt, ist die neue Aufgabe, die mich neu fordert.

Um dann doch die Seite zu wechseln?

Warum sollte ich das tun oder anstreben? Ich bin Journalist durch und durch. Und das möchte ich auch bleiben. Am Seitenwechsel von Steffen Seibert sehe ich aber nichts Ehrrüchiges.

Bleibt die Frage, ob Schafe schrumpfen, wenn sie im Regen stehen.

Was für eine Frage! Ersparen Sie mir und Ihnen die Antwort. Bitte!

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

Matthias Fornoff, geboren 1963 in Mainz, hat an der Freien Universität Berlin ein Magisterstudium der Geschichte, Politischen Wissenschaft und Slawistik abgeschlossen. Seine journalistische Laufbahn begann mit einem Volontariat im ZDF, später war Fornoff Korrespondent in Berlin, hat vom Oder-Hochwasser berichtet und das Landesstudio Brandenburg geleitet, insgesamt hat er 15 Jahre in Berlin gelebt. Zurück in Mainz arbeitete der Journalist als Chef vom Dienst in der ZDF-Chefredaktion, ehe er von Juni 2007 an Korrespondent und später Leiter des ZDFStudios in Washington war. Matthias Fornoff ist verheiratet, er hat zwei Söhne.

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