Medien : Matthies meint: Kopf ab zum TV (Glosse)

Ist ja im Prinzip nichts Neues mehr. Da steht, zur Konzeption der neuen Serie "Expedition Robinson" gehöre es, dass sich mehrere junge Leute auf einer einsamen malaysischen Insel enthaupten. Gott ja, denkt man, mal was anderes vom Gewaltmarkt, nicht so langweilig wie "Big Brother" - und dann war es doch nur ein Lesefehler, denn die jungen Leute sollen sich behaupten, was gegenseitiges Köpfen nicht zwangsläufig voraussetzt. Allerdings kann sich das sehr schnell ändern, wie der schnelle Aufstieg des Originals zeigt: Vom Kandidaten für den größten organisierten Blödsinn des Jahres zum Anwärter für den Deutschen Fernsehpreis. Lichtvolle Begründung: Produktionsfirma Endemol habe es damit geschafft, "um die Welt zu gehen". Das allerdings hat Endemol mit der Air France ("Concorde-Absturz") und den Abu-Sayyaf-Kidnappern ("Geiseldrama ohne Ende") gemeinsam, ohne dass irgendjemand diese Produktionen für einen Preis hätte nominieren mögen. Doch auch das mag ein Übergangsstadium sein, an dessen Ende zweifellos der Adolf-Grimme-Preis für Zlatko T. stehen wird. Und er muss dafür nicht einmal jemanden köpfen, denn der Kopf wird noch fürs Telefonieren gebraucht, zum Beispiel, um bei 12snap.de die neue CD von Big-Brother-Alex per Handy zu hören, drei Tage vor Verkaufsbeginn. Man möchte ein Zeichen der Vernunft setzen - sich möglicherweise öffentlich enthaupten? Doch auch daraus wird am Ende nur wieder eine Fernsehserie.

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