Medien : Matthies meint: Laokoon im TV-Sessel (Glosse)

Was ist typisch für unsere Zeit? Die Nackte im Container mit den Kameras? Der Internet-Dauernutzer mit Sehnenscheidenentzündung in der Maus-Hand? Der Telefon-Junkie mit dem implantierten Handy? Da kommt die Meldung aus England gerade recht, wo Forscher jetzt das Phänomen der "anarchistischen Hände" entdeckt haben: Hände, die sich von der Kontrolle ihres Besitzers lossagen und ihm gewaltsam Fischgräten in den Mund stopfen oder ihn sogar zu erwürgen versuchen - 40 solcher Fälle sind angeblich weltweit bekannt. Das grausamste Bild in diesem Zusammengang hat mit dem Fernsehen zu tun. Die anarchistische Hand packt die Fernbedienung, zappt und zappt und zappt - und der Besitzer hängt willenlos im Sessel und muss sich jeden Programmfetzen ansehen, bis endlich der Neurologe kommt und das Netzkabel zieht. Schlimmer noch: Sollte der Patient auf pay-per-view abonniert sein, so kann ihn sein Arm innerhalb weniger Stunden finanziell ruinieren. Laokoon im Medienzeitalter! Ach, übrigens: Wer hat jetzt eigentlich diese Glosse hier geschrieben?

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