Medien : Max sucht die Superband

Hat RTL einen Kandidaten gefeuert? Wie es „DSDS“ wieder schaffte, in die Schlagzeilen zu kommen

Yoko Rückerl

Wenn sich der Erfolg der aktuellen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) daran misst, wie oft es die Castingshow in die Schlagzeilen der Boulevardpresse schafft, ist das eben eine gute Zeit für RTL, Dieter Bohlen, Musikindustrie und und. Seit gestern gibt es neue Empörung über das Votingverfahren von Deutschlands größter Castingshow: Statt Martin Stosch, der am Samstag von Millionen Zuschauern abgewählt wurde, verlässt der 18-jährige Berliner Max Buskohl überraschend den Wettbewerb. Buskohl sei gefeuert worden, schrieb die „Bild“ am Montag. Am selben Tag gab RTL bekannt, dass es zu „Differenzen“ mit Buskohl gekommen sei. Der Beschluss sei im Gespräch mit Produktion, Redaktion und Buskohl gefällt worden. „Max möchte seine Lieder selbst schreiben, er will weiterhin authentische Musik machen und hat gemerkt, dass das bei DSDS so nicht geht“, sagte der Vater von Max Buskohl, der Musiker Carl Carlton, dem Tagesspiegel.

Das Gespräch über Buskohl fand bereits am Sonntagmittag in der „Superstar“-Villa in Köln statt. RTL informierte danach nicht die Öffentlichkeit, sondern wartete auf die Zusage von Martin Stosch, als Nachrücker für die nächste Ausgabe zur Verfügung zu stehen. Die kam am späten Sonntagnachmittag. „Wir wollten die Öffentlichkeit umfassend über Buskohls Ausscheiden und über die Nachfolgeregelung informieren“, sagte ein RTL-Sprecher. „Letztere stand erst am späten Nachmittag, für die meisten Zeitungen nach Redaktionsschluss fest.“ RTL informierte am Montagmorgen.

Von einem „Eklat“ bei DSDS will man beim Kölner Privatsender nichts wissen. „Max wurde nicht gefeuert“, sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer dem Tagesspiegel. Buskohl habe sich entschlossen, nicht als Solokünstler, sondern mit seiner Band „Empty Trash“ erfolgreich zu werden. RTL aber suche einen Superstar und keine Superband. „Es ist nicht das erste Mal, dass jemand freiwillig bei DSDS aussteigt.“ So kündigte in der ersten Staffel Judith Lefeber und Stephan Darnstaedt in der zweiten.

Dennoch: Zwischen Jury-Mitglied Dieter Bohlen und Buskohl war es offenbar zu schärferen Auseinandersetzungen gekommen. „Dir ist scheißegal, was ich sage, deshalb ist mir scheißegal, was du singst“, sagte der 53-jährige Produzent in der Show. „Dieter Bohlen steht nicht auf Rock oder Hardcore-Rock, das ist einfach nicht sein Musikgeschmack“, meinte dazu RTL-Sprecherin Eickmeyer. Nach der Generalprobe soll Buskohl Bohlen sogar als „asozial“ bezeichnet haben. Auch zwischen den Jury-Mitgliedern Heinz Henn, der sich für Buskohl eingesetzt hatte, und Bohlen war es laut RTL- Videotext zu Reibereien gekommen.

Bei Millionen DSDS-Fans bleibt ein schaler Beigeschmack zurück. Dass viele der 4,5 Millionen Zuschauer am Samstagabend, die pro Voting-Anruf 50 Cent bezahlten, sich betrogen fühlen, weil die Entscheidung nicht vor der Show bekannt wurde, bezweifelt RTL: Es sei nicht anders möglich gewesen. Und was macht Max Buskohl? War ihm nicht früher bewusst, auf was er sich einlässt? „Ich war ein Träumer und naiv“, sagte er dieser Zeitung. „In der Euphorie hätte ich nie gedacht, so weit zu kommen. Der Auslöser meines Zweifelns war der Rausschmiss von Francisca. Wenn in einer Musikshow die beste Musikerin rausgewählt wird, kann etwas nicht stimmen.“

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