Medien : Max Weber beim Therapeuten

Tom Peuckert

Die EU gibt viel Geld für die Entwicklung intelligenter Textilien aus. „Smarth Cloth“ heißt ein Förderschwerpunkt für die Jahre bis 2010. Dank Nanotechnologie werden wir schon bald mit marktreifen Zauberkunststückchen rechnen können. Cornelia Braun hat sich unter avancierten Textilforschern umgehört. „Heilende Hosen, intelligente Jacken“ heißt ihr spannendes Feature. Wir erfahren von Ganzkörperpflastern, mit denen man sich auch auf einem Ball sehen lassen kann, und von Berufsbekleidung, die ihre Träger sehr viel klüger macht (Deutschlandradio Kultur, 11. Mai, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

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Der Soziologe Joachim Radkau hat ein dickes Buch über Max Weber geschrieben. Eine detailreiche Biografie des großen Gelehrten, der die Rationalisierung als wichtigstes Lebenselixier des Westens entdeckte. Radkaus Buch wird kontrovers diskutiert, weil der Autor Webers Soziologie mit komplizierten lebenspraktischen Fragen behelligt. „Sex und Soziologie“ ist der Titel einer Radiodiskussion, in der sich Radkau seinen Kritikern stellt. Mit von der Partie sind Hans Joas , Leiter des Max-Weber-Kollegs in Erfurt, und der Historiker Gustav Seibt (Kulturradio, 11. Mai, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Gleich zweimal befragt das Deutschlandradio am Samstag die dynamischen Mythen der USA. „Straße der Hoffnung, Straße der Träume“ heißt eine von Paul Nellen moderierte Lange Nacht über die Route 66. Was ist aus der einstigen Traumstraße von Chicago bis Kalifornien geworden? Neue Autobahnen haben die 66 in den Windschatten der Verkehrsströme gestellt. Nellen findet ein riesiges Freilichtmuseum der automobilen Anfangsjahre (13. Mai, ab 0 Uhr 05). Autor Christian Scholz ist mit der Eisenbahn gefahren. „The Desert Wind“ heißt eine legendäre Linie von Washington, D.C. nach San Diego. 5000 Kilometer durch Prärie und Steppe, Schnee und Wüstenlandschaft. Auf der Strecke rollt Scholz tief hinein in die Geschichte der amerikanischen Eisenbahn (Deutschlandradio, 13. Mai, 18 Uhr 05).

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Ein Scheintoter erwacht im Sarg. Zufällig findet er in den Falten des Leichenhemds ein Handy. Er ruft seinen Analytiker an, bittet um Rückholung ans Tageslicht. Der Therapeut hat zwei Hypothesen: Entweder ist das ein schlechter Scherz, oder sein klaustrophobischer Patient durchlebt einen neuen Neuroseschub. Mit „Die Therapeuten-Story“ hat der Amerikaner Carey Harrison das ultimative Radiodrama zum Handyzeitalter geschrieben. Gegen die Endlichkeit von Akku und Atemluft muss ein zu früh Begrabener um sein Leben telefonieren. Bis sich das Schicksal des Mannes entscheidet, erlebt der Hörer etliche makaber-amüsante Wendungen. Er müsste schon ein grober Klotz sein, wenn ihm dabei nicht ein leichter Druck auf der Brust lasten würde (Deutschlandradio Kultur, 14. Mai, 18 Uhr 30)

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Vor fünf Jahren entschied der Europäische Gerichtshof, dass Frauen auch in militärischen Dingen nicht benachteiligt werden dürfen. Wie Männer haben sie das Recht, einen Panzer zu fahren, eine Bombe zu werfen, einen Gegner mit dem Bajonett anzugreifen. Mittlerweile gibt es rund 12 000 Frauen in der Bundeswehr, etwa die Hälfte davon leistet Dienst an der Waffe. Ulrike Koeppchen hat sich für „Zeitfragen“ unter den Soldatinnen umgehört. Wie lebt eine Frau im traditionellsten aller Männerberufe? Haben die Frauen ihre Berufswahl bereut? Lösen sich jahrtausendealte Vorstellungen von der Geschlechterdifferenz gerade in Luft auf? (Deutschlandradio Kultur, 15. Mai, 19 Uhr 30)

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