Maybrit Illner : Ich hab’ da mal ’ne Frage

Zuschauer können via Youtube bei "Maybrit Illner" mitdiskutieren – aber wollen sie das auch? Die Redaktion entscheidet kurzfristig, mit welchen Fragen Gäste konfrontiert werden.

Markus Ehrenberg
Illner
Direkter Draht zu Müntefering. Der Youtube-Kanal von "Maybrit Illner". -Screenshot: Tsp

Das ZDF ist in aller Munde – wegen des politischen Streits über den Verbleib von Nikolaus Brender im Amt des Chefredakteurs und den Plan der Unionsvertreter im Verwaltungsrat um Ministerpräsident Roland Koch, Brenders auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Andere Erscheinungsformen demokratischer Prozesse im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zeigen sich neuerdings im Polittalk „Maybrit Illner“ (ZDF, 22 Uhr 15) . Erstmals können Zuschauer am Donnerstag über Youtube in der Talkshow mitdiskutieren, Meinungen und Fragen zum Thema der Sendung über einen eigens eingerichteten Illner-Kanal im Internet als Video hochgeladen werden. Bei der Premiere betrifft das SPD-Chef Franz Müntefering, der sich zur Lage der SPD und zur Wirtschaftskrise auslässt.

Es liegt auf der Hand, dass mit Einbindung des Internets der Altersdurchschnitt des Zuschauers im Zweiten auf unter 50 gesenkt werden soll. Die Reaktionen der Nutzer auf die Web-2.0-Offensive sind durchwachsen. Ganze 15 Video-Frager standen bis Mittwochnachmittag auf Illners Youtube-Seite, viele von ihnen im Müntefering-Alter. Einige Nutzer kritisierten, dass negative Kommentare zu Illners „,hippen’ Video-Einladung für die kommende Sendung von Youtube verschwunden sind“. Ein gewisser „Slahbarat“ meint: „Die einzigen guten Kommentare stammen aus den eigenen Reihen!“

Dieser User wird sich wohl eher nicht in der Fernsehsendung wiederfinden, es sei denn, es fällt ihm noch eine schlaue Frage für Müntefering ein. Die Redaktionsleitung der Show entscheide kurzfristig, mit welchen Aussagen die Gäste konfrontiert würden, heißt es beim ZDF. „Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und Kommentare – für verbale Entgleisungen, Rassismus und Extremismus jeder Art zeigen wir jedoch kein Verständnis und löschen entsprechende Videos oder Kommentare umgehend“, schreibt Maybrit Illner auf der Website. Das ZDF kooperiert seit November 2007 mit Youtube. Intendant Markus Schächter sagt, das Engagement auf der reichweitenstärksten Videoplattform bringe dem Sender „viele Kontakte mit einer Zuschauergruppe, die wir mit unserem Hauptprogramm nur schwer erreichen“. Laut ZDF-Sprecher wurden die Erwartungen „schon deutlich übertroffen“. Über 230 Personen haben den Illner-Kanal abonniert, im Forum werde äußerst engagiert diskutiert. „Aber wir betreten Neuland, das ist klar.“ Für Patrick Walker, bei Youtube für Partnerschaften zuständig, haben „die auf Youtube ausgerichteten Wahldebatten in den USA eine völlig neue Form der Kommunikation zwischen den Wählern und der Politik geschaffen.“

Eine Art Offener Kanal ist in populären deutschen TV-Formaten nichts Neues. Frank Plasberg praktiziert das mit der Einbindung von Zuschauer-Mails bei „Hart aber fair“ seit Jahren. Neulich wurde Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann im „Aktuellen Sport-Studio“ mit zwei, drei Video-Fragen von Fußballfans konfrontiert. Die hätte Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein allerdings auch selber stellen können. Knallharter Journalismus/Kritik sieht anders aus, aber damit wird der Zuschauer bei öffentlich-rechtlichen Talkshows seit Jahren nicht unbedingt verwöhnt. Vielleicht könnte ja mal Roland Koch Illners Aufforderung nachkommen, sich eine Videokamera schnappen und für Müntefering eine scharfe Frage bei Youtube hochladen. Bis Donnerstagabend hat auch Koch noch Gelegenheit dazu. Markus Ehrenberg

www.youtube.de/maybritillner

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