Medien : MDR: Späte Aufarbeitung

Wer auf den MDR-"Tatort" wartete, musste sich am Mittwoch Abend gedulden. Der MDR ermittelte in eigener Sache und hatte erneut eine Sondersendung zur DDR-Staatssicherheit ins Programm gehoben. "Die Meinungsmacher und die Stasi" lautete das Thema der Diskussionsrunde mit zwei beim MDR beschäftigten Spitzeln, Theaterintendant Michael Schindhelm, Stasi-Opfern und einer Vertreterin der Gauck-Behörde.

"Ich kann das nachvollziehen", sagte der Schriftsteller und DDR-Dissident Lutz Rathenow am Ende der Sendung, nachdem der wegen seiner Tätigkeit als "IM Roul" vom Bildschirm verbannte Moderator Oliver Nix aus seinem Leben berichtet hatte. "Die Frage ist, ob man mit diesen Brüchen im Leben in dem Sender an der richtigen Stelle steht".

Nix ("Hier ab vier") bekannte, den Traum gehabt zu haben, als Journalist und Spion nach China geschickt zu werden "und vielleicht auch aus dem Ausland das eine oder andere Dokument mitzubringen". Ein wenig "James Bond" sei dabei gewesen.

Es blieb Rathenow vorbehalten, die Diskussion zuzuspitzen. Er bescheinigte MDR-Kulturchef Michael Hametner (von 1968 bis 1975 IM "Detlev Lauer"), noch zu DDR-Zeiten einen Schlusspunkt gesetzt zu haben. Er wollte aber von ihm wissen, warum er sich nach der Wende nicht offenbarte, beispielsweise als er den inzwischen verstorbenen Schriftsteller und DDR-Dissidenten Jürgen Fuchs 1998 interviewte. Da hätte man doch etwas sagen können, meinte Rathenow, dessen Stasi-Akten 15 000 Seiten umfassen. Hametner entgegnete, seine Entscheidung, sich nicht zu öffnen, sei möglicherweise falsch gewesen. Aber er habe gesehen, was Christa Wolf und Monika Maron erlebten, als sie von ihren Stasi- Kontakten erzählten. Der MDR zumindest habe seine Geschichte gekannt.

Hametner und Nix haben wie eine ganze Reihe von MDR-Mitarbeitern Mikrofon- oder Bildschirmverbot, bis ihre Stasiakten ausgewertet sind. Beide hoffen, bald aus der Verbannung zurückkehren zu können. Nix dürfte wohl eine Enttäuschung erleben. Nach Kenntnis der Stasi-Akte von Nix habe er feststellen müssen, dass dieser eine Erklärung formulierte, "die offenbar nur ein Teil der Wahrheit gewesen ist", sagte MDR-Intendant Udo Reiter der "Sächsischen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Er schloss daher eine Rückkehr gravierend belasteter Mitarbeiter auf den Bildschirm oder ans Mikrofon aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben