MEDIA Lab : Ist der erste Treffer gleich der beste?

Nicht allein die Platzierung entscheidet darüber, welchen Link Google-Nutzer anklicken.

Klaus Beck
Wonach wählen Nutzer aus, welchen Google-Treffer sie anklicken? Damit hat sich jetzt eine Studie beschäftigt.
Wonach wählen Nutzer aus, welchen Google-Treffer sie anklicken? Damit hat sich jetzt eine Studie beschäftigt.Foto: AFP

Wer glaubt Google? Fast alle, so lautet die ebenso geläufige wie pessimistische Antwort. Ausgewählt wird demnach ganz automatisch der erste Treffer der Ergebnisliste, alle anderen haben keine Chance. Der Algorithmus und das dahinterliegende Geschäftsmodell bestimmen unser Informationsmenü. Aber entscheidet wirklich alleine die Platzierung und begründet dies die gefühlte Allmacht von Google & Co.? Und: Welche Rolle spielen in Zeiten von Social Media die Empfehlungen anderer Nutzer?

Die meisten Nutzer nehmen sich Zeit

Alexander Haas und Julian Unkel haben dies im Medienlabor getestet: Die meisten Nutzer vertrauen nicht völlig blind der Maschine und klicken das erstbeste Ergebnis an, sondern nehmen sich etwas Zeit für die Auswahl unter den ersten Treffern. Die Platzierung spielt tatsächlich die wichtigste Rolle im Wettrennen um Aufmerksamkeit. Wer diese erste Hürde nicht nimmt und vorne mitläuft, hat verloren.

Beim Finish aber kommt die Glaubwürdigkeit der angezeigten Quelle selbst ins Spiel, unterstützt durch die kleinen Textausschnitte: Je höher das Ansehen der Quelle und je neutraler der Textauszug formuliert ist, umso eher wird angeklickt. Die Anzahl der Empfehlungen durch Peers interessiert hingegen kaum jemanden.

Professionelle Standards und journalistische Tugenden wie fachkundige Recherche und sachliche Darstellung werden also auch online durchaus erkannt und anerkannt. Die vergleichsweise hohen Nutzungszahlen der für Qualitätsjournalismus bekannten Medien sprechen für einen Import der Glaubwürdigkeit von der Offline- in die Onlinewelt. Das Vertrauen des Publikums in diese Medien ist im Netz nicht verschwunden, aber die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit dieser Medien werden zum publizistischen und ökonomischen Problem.

Kaum jemand verlässt sich auf nur eine Informationsquelle

Um sich umfassend zu informieren, nutzen die meisten Menschen gerade online gerne mehrere Medien. Kaum jemand verlässt sich auf nur eine Informationsquelle. Nun müssen wir nur noch lernen, dass dies auch beim Suchen und Finden von Meta-Informationen über Medienangebote im Netz nicht anders sein muss.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben