MEDIA Lab : Tracking und Transparenz

Nur jeder zehnte User zahlt für Online-Nachrichten; jeder fünfte installiert Werbeblocker auf dem PC. Noch ahnen viele Nutzer nicht, wie stark ihr Surfverhalten kommerzialisiert wird.

Marlis Prinzing
Thema Datenschutz.
Thema Datenschutz.Foto: dpa

Was wir online machen, hinterlässt Datenspuren. Sie zu „tracken“, also zurückzuverfolgen, offenbart private Vorlieben und bringt Werbe-Geld ein. Weil die Europäische Union die ePrivacy besser schützen will, empören sich Medienunternehmen - und übersehen dabei Chancen. Aus „Browsing-Histories“ über unsere Wege im Netz entwickeln Werber zielgruppenbezogen verhaltensbasierte Anzeigen.

Das ist nicht neu. Überraschen mag aber, wie wichtig für Nachrichten-Webseiten dieses Geschäft ist. Eine Studie aus den USA für 2015 illustriert dies: Die beliebtesten Nachrichtenseiten verkauften die Surf-Spuren ihrer Nutzer an durchschnittlich 20 „Third-Party“ Server und damit an doppelt so viele wie andere Webseiten. Die „New York Times“ bediente sogar 44 kommerzielle Tracker, allen voran Google und Facebook.

Nutzer merken meist nichts. Das will die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag für eine neue ePrivacy-Richtlinie ändern. Für deutsche (und europäische) Verlagshäuser ist das Tracking-Geschäft ebenfalls bedeutsam. Sie verfassten einen Offenen Brief gegen die Richtlinie. Denn sie sähe vor, dass Nutzer selbstbestimmt entscheiden, ob sie Tracking wollen, und will das Werbe-Oligopol von Google, Facebook und Co. aufweichen. Die Medienhäuser hingegen würden lieber ein größeres Stück dieses Kuchens haben und fürchten, geringere Trackingerlöse höhlten ihr jetziges Geschäftsmodell aus.

Ihre Sorge ist nachvollziehbar, zumal sie seit Jahren ihr Geld immer härter verdienen. Der neue Digital News Report des Reuters Instituts in Oxford hält fest: Nur jeder Zehnte zahlt für Online-Nachrichten; jeder fünfte installiert Werbeblocker auf dem PC. Noch ahnen viele Nutzer nicht, dass gerade jene ihr Surfverhalten besonders stark kommerzialisieren, bei denen sie das nicht vermuten, denen sie mehr trauen als sozialen Medien und an deren Apps sie das Gefühl größerer Privatsphäre schätzen. Der Fokus der Verlagshäuser auf Tracking ist ein Spiel mit dem Feuer. Sie sollten ihren Glaubwürdigkeitsvorsprung nicht aufs Spiel setzen, sondern ihr Geschäftsmodell lieber auf eine vertrauensvolle Beziehung zu einem aufgeklärten Publikum bauen.

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