MEDIA Lab : Wie Journalismus sein soll

"Die Idee des Mediums": Stephan Russ-Muhl empfiehlt ein kluges Kompendium zur Zukunft des Journalismus

Stephan Russ-Mohl
Miriam Meckel gehört zu den Autoren des Kompendiums "Die Idee des Mediums".
Miriam Meckel gehört zu den Autoren des Kompendiums "Die Idee des Mediums".Foto: promo

Ob es gelingen kann, mit „Namedropping“ Neugier auf ein Buch zur Zukunft des Journalismus zu wecken? Viele der wenigen, die in der Medienbranche Rang und Namen haben und sich zugleich durch Nachdenklichkeit im Umgang mit dem eigenen Metier auszeichnen, sind hier vereint: Ulrich Deppendorf, Mathias Döpfner, Hans Leyendecker, Giovanni di Lorenzo, Miriam Meckel, Frank Schirrmacher, Cordt Schnibben, Alice Schwarzer und Roger Willemsen. Allesamt haben sie sich vom Tübinger Medienforscher Bernhard Pörksen und vom Leiter des dortigen SWR-Studios, Andreas Narr, für eine „Mediendozentur“ gewinnen lassen. So ist jetzt in Buchform ein leicht lesbares und dennoch tiefgründiges Kompendium zum „state of the art“ des Journalismus entstanden. "Die Idee des Mediums. Reden zur Zukunft des Journalismus" illuminiert zugleich aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wohin die Reise für unser Gemeinwesen und unsere Demokratie gehen könnte – angesichts zahlungsunwilliger Publika, schrumpfender Werbeerlöse und einer Handvoll amerikanischer Internet-Giganten, die in zunehmendem Maße unter Einsatz geheimnisvoller Algorithmen die Kommunikationsströme in unseren Gesellschaften kontrollieren. Die Spannweite der gedanklichen Höhenflüge ist groß: Sie reicht vom Zweckoptimismus des erfolgreichen Verlagsmanagers, dass „guter Journalismus bewegt“ (Döpfner), bis hin zur Schreckensvision von einem „staatsmonopolistischen Kapitalismus neuer Art, einem digitalen Imperialismus, der nicht Länder erobert, sondern Datennetze und Hirne“ (Schnibben).

Man würde dem Büchlein, das ja auch Brücken baut zwischen Medienforschung und -praxis, ähnliche Aufmerksamkeit wünschen, wie sie etwa Udo Ulfkotte mit seinem „Lügenpresse“-Pamphlet gefunden hat. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass es so kommen wird. Keine allzu günstigen Aussichten also für die Aufklärung – auch nicht für die Aufklärung über Medien und Journalismus.

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