Medien : Doppelter Depenbrock bleibt

Die schlechte Nachricht platzt mitten in die Betriebsversammlung hinein: Die Redaktion der "Berliner Zeitung" verliert ihre Klage gegen die Doppelrolle von Josef Depenbrock als Chefredakteur und Geschäftsführer vor dem Berliner Arbeitsgericht.

Sonja Pohlmann
Berliner Zeitung
"Verleger gesucht." Die Redaktion der "Berliner Zeitung" hat in der "Taz" eine Anzeige geschaltet. -Foto: dpa

Kurz vor 14 Uhr erfuhren gestern die Redakteure der „Berliner Zeitung“, dass Josef Depenbrock weiterhin ihr Chefredakteur und Geschäftsführer des Berliner Verlags in Personalunion bleiben darf. Eine Niederlage für den Redaktionsausschuss, der gegen diese Doppelrolle vorm Berliner Arbeitsgericht geklagt hatte. Ein Sieg für Depenbrock, der seinen rigiden Sparkurs nun bestärkt weiterführen dürfte. „Wir sind keine Wohlfühlgruppe. Am Ende trifft der Chefredakteur die Entscheidung, nicht die Redaktion“, sagte er nach der Verhandlung.

Immer wieder hatten die Redakteure Depenbrock mangelnde Diskussionsbereitschaft vorgeworfen und beklagt, dass er zuvorderst als renditeorientierter Geschäftsführer agiere. Mit ihrer Klage wollten sie erreichen, einen Chefredakteur zu bekommen, der nicht zugleich Mitglied der Geschäftsführung des Verlags ist.

Dreh- und Angelpunkt der Verhandlung gestern war deshalb das Redaktionsstatut der „Berliner Zeitung“. Es war im August 2006 verfasst worden, nachdem der Berliner Verlag durch den britischen Finanzinvestor David Montgomery und dessen Unternehmensgruppe Mecom übernommen worden war. Das Statut sieht unter anderem vor, das Qualitätsniveau der Zeitung zu steigern, zumindest zu bewahren. Es regelt die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Redaktion und ist Bestandteil der Arbeitsverträge.

Der Redaktionsausschuss meint, dass das Statut klar die Trennung von redaktionellen und geschäftlichen Bereichen vorsieht. Depenbrock verletze dies durch seine Doppelrolle. „Nur eine gespaltene Persönlichkeit kann eine solche Doppelrolle erfolgreich spielen. Und ich bin mir sicher, dass Herr Depenbrock nicht unter Schizophrenie leidet", sagte Anwalt Thomas Gerchel, der den Redaktionsausschuss vor Gericht vertrat. Depenbrock könne noch so sehr Vollblutjournalist sein. Im Vordergrund stehe immer die Renditerwartung des Unternehmens und deshalb werde Depenbrock in erster Linie immer als Geschäftsführer handeln.

Thomas Rogalla, Sprecher des Redaktionsausschusses, bekräftigte diese Ansicht vor Richter Andreas Dittert: „Uns fehlt die geistige Führung durch einen Chefredakteur. Herr Depenbrock tritt ausschließlich als Geschäftsführer auf, anstatt mit der Redaktion Ideen auszutauschen oder Konzepte zu entwickeln.“

Außerdem beklagte er, dass Depenbrock Werbebeilagen produzieren lasse, die für den Leser nicht deutlich als solche gekennzeichnet seien. Vor allem leide die Qualität des Blattes unter dem Stellenabbau. Erst kürzlich hatte Depenbrock angekündigt, weitere 40 von 130 Stellen bei der „Berliner Zeitung“ zu streichen und Ressorts zusammenzulegen.

Martin Schuster, der den Berliner Verlag vertrat, widersprach den Klägern. Bisher habe es aus der Redaktion keine Beschwerden darüber gegeben, dass die redaktionelle Freiheit durch kommerzielle Interessen beeinträchtigt sei. Und aus dem Statut könne kein Recht auf Gewaltenteilung zwischen Chefredakteur und Geschäftsführer abgeleitet werden. Vielmehr sei eine solche Doppelrolle in der deutschen Presselandschaft nicht ungewöhnlich. Als Beispiel nannte er „Focus“-Chef Helmut Markwort und Verlegerin Angelika Jahr, die früher „Schöner Wohnen“ leitete.

Doch auch wenn Richter Andreas Dittert gestern andeutete, die Schwierigkeiten zu sehen, die sich aus einer Doppelrolle als Geschäftsführer und Chefredakteur ergeben können, wies er die Klage des Redaktionsausschusses ab. Weder aus dem Redaktionsstatut noch aus den Arbeitsverträgen ergibt sich für die Redaktion eine Rechtsgrundlage, die die personelle Trennung zwischen Chefredaktion und Geschäftsführung des Verlags rechtfertigt.

Der Redaktionsausschuss überlegt jetzt, Berufung vorm Landesarbeitsgericht einzulegen. Den Kampfeswillen der Redaktion gegen Depenbrocks Sparkurs hat das Urteil zumindest nicht geschmälert. Auf der Betriebsversammlung gestern wurden zusammen mit Gewerkschaftvertretern die Möglichkeiten eines Arbeitskampfes besprochen. „Wir sehen nicht zu, wie unsere Zeitung kaputt gespart wird“, sagte Rogalla.

Depenbrock kündigte nach der Verhandlung an, künftig mehr Präsenz als Chefredakteur zu zeigen, und machte noch einmal klar: „Ich bin nicht als Everybody’s Darling angestellt.“

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