Medien : Marmor löst NDR-Intendant Plog ab

Der NDR-Rundfunkrat hat den WDR-Verwaltungsdirektor Lutz Marmor zum nächsten Intendanten des Norddeutschen Rundfunks gewählt.

Lutz Marmor
Lutz Marmor wird im nächsten Jahr an der Spitze des NDR stehen. -Foto: dpa

HamburgDer Norddeutsche Rundfunk (NDR) wird von 2008 an von seinem früheren Verwaltungsdirektor Lutz Marmor geführt. Mit einem eindeutigen Votum des Rundfunkrates wurde der 53-Jährige am Freitag in Hamburg ebenso gewählt wie sein künftiger Stellvertreter. Der bisherige WDR-Verwaltungsdirektor Marmor und der NDR- Landesfunkhausdirektor in Hannover, Arno Beyer (52), besetzen danach die NDR-Spitzenpositionen. Die beiden Kandidaten waren vom Verwaltungsrat des öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehsenders vorgeschlagen worden. Sie werden für sechs Jahre amtieren.

Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Mecklenburg- Vorpommern, Christian Wulff (CDU) und Harald Ringstorff (SPD), bezeichneten Marmors Wahl übereinstimmend als eine gute Entscheidung. Sie biete alle Chancen, den Norddeutschen Rundfunk, dem außerdem Hamburg und Schleswig-Holstein angehören, erfolgreich im Konzert der ARD-Anstalten zu profilieren, sagte Wulff. "Mit dieser Wahl hat der NDR bewiesen, dass er unabhängig von der Politik die Nachfolge regeln kann", ließ Ringstorff durch eine Sprecherin erklären.

Lob für Plog

Auch für den im Januar nächsten Jahres ausscheidenden Intendanten Plog haben die Aufsichtsgremien Stärke gezeigt: "Sie haben in großer Unabhängigkeit eine Entscheidung getroffen, die allen professionellen Kriterien standhält." Er selbst hatte in seiner Karriere den Parteienproporz zu spüren bekommen. Die Gewählten würden den NDR auf "klarem Kurs" halten, meinte Plog.

Der Rundfunkrats-Vorsitzende Helmuth Frahm sagte, dass der Wahl ein Findungsprozess vorausgegangen sei, "der nach außen schwierig erschien, an dessen Ende aber ein ausgezeichnetes Ergebnis steht". Der SPD-Vertreter hob die Professionalität beider Medienmanager hervor. Diese kamen nach Angaben des NDR in geheimer Abstimmung deutlich über die vom NDR-Staatsvertrag geforderte Zwei-Drittel- Mehrheit. Von den 53 abgegebenen Stimmen erhielten beide 51 Ja- Stimmen. Zwei Stimmen waren ungültig.

Marmor sah in den "überzeugenden Voten" der Gremien einen großen Vertrauensbeweis. Der NDR sei ein journalistisches Unternehmen mit hervorragendem Ruf, sagte Marmor. "Ich betrachte es als große Herausforderung, dieses Unternehmen trotz immer enger werdender finanzieller Rahmenbedingungen erfolgreich in die Zukunft zu führen - eine Zukunft, die digital sein wird." Der Betriebswirt war von 1995 bis 2006 NDR-Verwaltungsdirektor.

Erstmals Landesfunkhausdirektor als Stellvertreter

Mit dem Hörfunk-Spezialisten Beyer wurde erstmals ein Landesfunkhausdirektor Stellvertreter. Damit hätten die Gremien ein Signal gesetzt, sagte Beyer: "Auch im Zeitalter der Globalisierung wird die feste Verankerung des NDR in der Region die besondere Stärke des Vier-Länder-Senders ausmachen." Er sei sehr froh, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde. "Und ich fühle mich geehrt, dass ich dabei sein darf." Beyer wird seine zusätzlichen Aufgaben bereits am 1. September übernehmen, da sein Vorgänger Joachim Lampe beim NDR ausscheidet.

Im obersten NDR-Kontrollorgan sind gesellschaftlich relevante Gruppen wie Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Umweltverbände vertreten. Sie überwachen das Programm und wählen den Intendanten und seinen Stellvertreter. (mit dpa)

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