Medien-Rechte : Formel 1 im Fernsehen: Geld oder Liebe?

Neue Eigner, neue Rechte: Die Formel 1 könnte demnächst nur noch im Bezahlfernsehen laufen. Dabei holt sich RTL zurzeit wieder starke Quoten.

Verwöhnte Fans. Seit 26 Jahren überträgt RTL die Formel 1 im Free TV.
Verwöhnte Fans. Seit 26 Jahren überträgt RTL die Formel 1 im Free TV.Foto: dpa

Das zugespitzte Duell Hamilton gegen Vettel, zuletzt wieder deutlich steigende Quoten – es gebe für RTL bessere Zeitpunkte, um darüber nachzusinnen, sich von der Formel 1 verabschieden zu müssen. Und doch droht der Königsdisziplin des Motorsports ein ähnliches Schicksal wie der Fußball Champions League ab 2108: Sie könnte im Bezahlfernsehen verschwinden.

Der Poker um die TV-Rechte der Formel 1 geht jedenfalls in die heiße Phase. Am Freitag endete nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die Ausschreibung, wobei Insider davon ausgehen, dass das nicht die letzte Ausschreibungsrunde gewesen sein muss. Fakt ist: Die Fernsehsender haben es bei der Formel 1 nicht mehr mit Bernie Ecclestone, sondern mit dem US-Unternehmen Liberty Media zu tun. Und das hat den deutschen Medienunternehmen mehrere Modelle angeboten. Darunter soll auch ein reines Pay-TV-Angebot sein.

Die deutschen Formel-1-Fans sind verwöhnt. Bis zum Ende der Saison zeigt RTL alle Rennen im frei zu empfangenden Fernsehen, wie in den vergangenen 26 Jahren, jetzt am Sonntag den Großen Preis von Österreich. In Ländern wie Großbritannien sieht das anders aus, dort werden von 2019 an Formel-1-Übertragungen fünf Jahre lang ausschließlich gegen Bezahlung bei Sky laufen.

Seitdem der US-Unternehmer John Malone mit Liberty Media die Formel 1 übernommen hat, werden die Karten auch beim Medienrechte-Poker neu gemischt. Der englische Pay-TV-Markt ist zwar beweglicher als der in Deutschland. Weil die Preise für Sportrechte aber immer weiter steigen, laufen auch hierzulande die Fußballspiele der Champions League von 2018 an ausschließlich im Pay-Bereich bei Sky und Dazn. Das ZDF ging leer aus.

"Wir leben und lieben die Formel 1"

RTL könnte es ähnlich ergehen, zudem Dazn ankündigte, bei der Formel 1 mitzubieten. Formel-1-Chef Chase Carey favorisiert offenbar ein 30:70-Modell. Damit würden nur noch 30 Prozent der Rennen ohne zusätzliche Zahlung zu sehen sein. „Wir möchten so viele Zuschauer wie möglich und Fans auf allen Plattformen erreichen. Ob Free-TV, Pay-TV, digitale oder soziale Medien – all das gehört zum Mix dazu.“ Der Fokus läge darauf, aus den Rennen alles herauszuholen.

Natürlich, RTL würde gern weiterhin die Formel 1 zeigen. Andere Free-TV-Sender kommen kaum infrage. Sportchef Manfred Loppe wird bei dpa mit dem bekannten Satz zitiert: „Wir leben und lieben die Formel 1. Das wollen wir auch in den nächsten Jahren mit vielen Millionen Fans teilen.“ Man wolle sich zu aktuellen Verhandlungen nicht äußern, nur so viel, die Formel 1 laufe bei RTL derzeit sehr gut, sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer dem Tagesspiegel am Sonntag. Den Vettel-Sieg in Bahrain im April sahen 5,6 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 28,6 Prozent) – eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. mit dpa

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