Medien : Medien und Verantwortung: Kriegsangst im Kinderzimmer

Ruth Ciesinger

Es gibt keinen Freispruch, aber zumindest wird die Verantwortung geteilt: Die Medien sind nicht schuld, wenn aus Kindern Rassisten oder Gutmenschen werden. Der "Tigerentenclub" lud mit der Initiative "!respect" in Berlin am Mittwoch zur Diskussion, und die Gesprächspartner waren sich einig: Die Hauptlast tragen die Eltern und die Schule. Je weniger aber von dort kommt, umso mehr orientieren sich die Kinder wieder an den Werten, die sie vor allem im Fernsehen vermittelt bekommen - also darf der Programmdirektor nicht senden, was er will.

Die Veranstalter hatten besonders über Fremdenangst sprechen wollen, wurden aber von der Weltgeschichte eingeholt. So fragte man sich: Wie vermitteln die Medien den Kindern die Anschläge in den USA und den Krieg in Afghanistan? Die ARD habe in ihrem Nachmittagsprogramm viele Erklärstücke und Hintergrundberichte, die besonders Familien anschauen würden, sagte Programmdirektor Günter Struve. Er räumte allerdings ein, dass es sich dabei hauptsächlich um "upper-middle-class-Kinder" handele, die mit ihren Eltern sowieso über solche Themen sprechen würden. Kinder, die sich selbst überlassen seien, erreiche man so nicht. Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des Tagesspiegel, macht mit den Reaktionen auf die "Kinderseite" die gleiche Erfahrung: "Kinder sind der exakte Spiegel dessen, was sie von ihren Eltern und Lehrern hören". Besonders schwierig sei es, kindergerechte Antworten auf Fragen zu Krieg und Terror zu finden.

Dafür sind die Fragen ziemlich klar, sie unterscheiden sich kaum von denen der Erwachsenen. Was hat das mit mir zu tun? Warum tun Menschen das? Und: Gibt es Krieg? Helga Theunert, Direktorin des Münchner Instituts für Jugend, Film und Fernsehen sprach dem Kinderkanal von ARD und ZDF ein großes Lob aus. Mit Telefon- und E-mail-Aktionen habe der vorbildlich reagiert, hier hätten auch die Kinder ein Forum gefunden, die allein vor dem Fernseher sitzen. Ihrer Ansicht nach liegt das Fernsehen noch hinter seinen Möglichkeiten: als "sehr wichtige Sozialisationsinstanz", die gerade im multikulturellen Bereich sehr viel mehr machen könnte. Im Endeffekt muss aber wohl mehr Geld in Bildung und Schulen investiert werden, da waren sich alle einig. Auch Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye, der dazu allerdings auf die Länder als Hauptansprechpartner verwies.

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