Mediengipfel : Mehr Netz im Netz

Keine Angst vorm Internet: Bei einer Diskussionsrunde zum Medienmarkt diskutierten Entscheidungsträger der Branche die Möglichkeiten neuer Vertriebswege.

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Festlegen wollte sich keiner der Gäste, die am Mittwochabend an der Diskussion beim 30. Mediengipfel des Medienboards Berlin Brandenburg und des Unternehmensbündnisses media.net in Berlin teilnahmen. „Wer macht das Rennen im Medienmarkt der Zukunft?“ wollte Journalist Hajo Schumacher von ihnen wissen.

Mathias Döpfner, Vorstandschef des Springer-Verlags („Bild“, „Welt“), hat zumindest keinen Zweifel daran, dass dieses Rennen im Netz stattfindet. Er beklagt jedoch, dass noch zu sehr zwischen Kreativität und Technologie getrennt werde. „Wenn ich aber nicht weiß, was technologisch geht, kann ich auch nicht das volle kreative Potenzial ausschöpfen“, sagte er und forderte deshalb eine bessere Vernetzung im Netz ein. Zugleich kritisierte Döpfner, dass das Internet in der Printbranche teilweise noch immer als Bedrohung empfunden werde: „Solche Szenarien erschließen sich mir nicht.“ Das Geschäftsmodell sei schließlich nicht, Papier zu bedrucken, sondern guten Journalismus zu machen. Gebe es neue Vertriebswege, diesen zu verbreiten, sei das positiv.

Frank Briegmann, Chef des Musikunternehmens Universal Music für Deutschland, Österreich und die Schweiz, zog Parallelen zwischen dem Wandel der Musikindustrie und der Printbranche. „Wir hatten ein Geschäftsmodell, wir verkauften CDs an Händler.“ Dann habe es mit dem Eintritt ins digitale Zeitalter eine Schrecksekunde gegeben, aber heutzutage sei der Internethändler Amazon der größte Kunde in Deutschland. „Es gibt Momente, da muss man sein eigenes Geschäftsmodell auf gewisse Art und Weise kannibalisieren, um ein neues zu schaffen“, riet er.

Wolf Bauer, Geschäftsführer der Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft Ufa, verwies auf neue Partner wie Youtube, mit denen sich Kontakte zu Milliarden von Nutzern herstellen ließen. Er hoffe darauf, dass sich künftig noch mehr Start-ups in Deutschland und Berlin ansiedeln. Doch noch mangelt es nach Ansicht von Telekom-Chef René Obermann an einer Gründerkultur in Deutschland. „Wir haben da ein Defizit“, sagte er. Auch Döpfner kritisierte, dass hierzulande die Angst vor Niederlagen groß sei. Es sei deshalb wichtig Menschen zu ermutigen, „etwas zu wagen und nicht zum Arbeitsamt zu gehen.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte zuvor darauf verwiesen, dass es in der Hauptstadt fast 30 000 Unternehmen in der Kreativwirtschaft mit 210 000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von 22,4 Milliarden Euro gebe. Das seien 16 Prozent des Gesamtumsatzes der Stadt. Er versicherte, dass die neue Koalition die Kreativwirtschaft weiter unterstützen wolle.

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